Hausärzte bilden sich selbst aus

Wesentliche Verbesserungen für die künftige Ärzteversorgung im Bereich Allgemeinmedizin versprechen die Teilnehmer der Gründungsveranstaltung "Weiterbildung Allgemeinmedizin im Verbund". Ansprechpartner für die Kliniken Nordoberpfalz sind Ärzlicher Direktor Dr. Thomas Egginger (hinterste Reihe Zweiter von rechts), Chefarzt Dr. Bernd Dineiger (Zweiter von links) und Prokurist Martin Neuhaus (Dritter von links). Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Wolfgang Rechl (Fünfter von links) freut sich über die Verbundgründu

Seit Jahren wird darüber geklagt, dass es zu wenig Allgemeinmediziner und Hausärzte gibt. Jetzt gibt es Hoffnung, dass in der nördlichen Oberpfalz diesem Mangel entgegengewirkt werden kann. Eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin ist ab sofort erheblich leichter als in der Vergangenheit.

(sbü) "Wir bräuchten in Bayern jährlich 450 bis 500 neue Fachärzte für Allgemeinmedizin, um alle Altersabgänge zu ersetzen", sagte Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayrischen Landesärztekammer. Tatsächlich absolvierten 220 bis 240 junge Mediziner diese Ausbildung. Und dabei ist noch nicht einmal sicher, ob diese alle als Hausarzt tätig werden.

Der Mangel an Allgemeinärzten hat seine Ursache auch im Fehlen eines geordneten Weiterbildungsganges. Ab sofort wird sich an dieser Situation im Einzugsbereich der Kliniken Nordoberpfalz etwas ändern. Aus diesem Grund hoben jetzt Allgemeinmediziner "Weiterbildung Allgemeinmedizin im Verbund" aus der Taufe. Eine Projektgruppe des Klinikums Nordoberpfalz hat in 18-monatiger Arbeit ein Konzept dafür erstellt. Es lehnt sich an Empfehlungen der Bayrischen Landesärztekammer an, gilt aber laut Rechl als vorbildlich auch für andere Regionen.

Das Weiterbildungskonzept strukturiert und organisiert die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Es macht es jungen Medizinern dadurch erheblich leichter, diese Tätigkeit ausüben zu können. "Jetzt brauchen wir nur noch die jungen Ärztinnen und Ärzte", sagte Rechl. Vier seien schon in dieser Weiterbildung, informierte Dr. Bernd Dineiger, Chefarzt Personalentwicklung. Er hat zusammen mit praktizierenden Allgemeinmedizinern das Konzept erarbeitet.

"Kompetenzbasiertes Curriculum" nennt sich die Weiterbildung, die bereits nach fünf Jahren zur fertigen Qualifikation als Facharzt für Allgemeinmedizin führe. Drei Jahre werden davon in der Klinik und zwei Jahre in der Praxis eines niedergelassenen Arztes abgeleistet. Kernfach ist die Innere Medizin, ergänzt um Wahlfächer aus der unmittelbaren medizinischen Patientenversorgung wie zum Beispiel Kinderheilkunde oder Neurologie.

Laut Chefarzt Dr. Dineiger sollen die zukünftigen Allgemeinmediziner auch "in sozialer und persönlicher Kompetenz geschult werden". Vorgesehen sind Zielvereinbarungen, Mitarbeitergespräche und Tutorenbegleitung. Die neue Weiterbildung dauere zeitlich nicht länger als andere Facharztausbildungen, enthalte aber im Gegensatz zu den anderen Spezialisierungsrichtungen zwei Praxisjahre bei niedergelassenen Ärzten.

Die Allgemeinmediziner, die am Konzept mitgearbeitet hatten, stehen ab sofort als Partner für die zweijährigen "Praxiszeiten" zur Verfügung. Entsprechende Verträge wurden zwischen Klinikleitung und praktizierenden Ärzten unterschrieben. Unterschrieben haben Klinikvorstand Josef Götz, der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Egginger sowie die Allgemeinmediziner Dr. Matthias Loew, Dr. Birgitt Weinhold, Dr. Jürgen Mahner, Dr. Brunhilde Dick-Kollmannsperger, Dr. Heinz Fleischmann und die praktische Ärztin Angela Karbahn. Weitere Allgemeinmediziner sind eingeladen. Dr. Egginger machte deutlich, dass allgemeinmedizinische Weiterbildung bisher "ein Stiefkind in der Ärztefortbildung" war. Um die Situation auch an den Universitäten zu verbessern, sollen in Bayern sechs neue Lehrstühle eingerichtet werden.
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