Heiliger Geist legt Grundstein

Architekt Thomas Gleißner startet eine Umfrage unter den Kindergartenkindern: "Warum bist du denn heute da?" - "Zum Bauen", sagen sie - und das sieht man auch.

Dicht an dicht stehen sie beim Spatenstich zum Kindergarten St. Konrad. So eng beisammen waren Stadträte und Vertreter der katholischen Gemeinde am Hammerweg nicht immer. Über zehn Jahre haben sie sich mühsam angenähert. Am Ende hat's wohl der Heilige Geist gerichtet.

Oben haben es sich längst die Senioren des Altenheims hinterm Fenster oder auf dem Balkon gemütlich gemacht. Unten stehen die Kleinen des Kindergartens St. Konrad bereit: Mit Bauhelm, Spaten und Liedgut wie "Wer will fleißige Handwerker sehen" fiebern sie vor den Ehrengästen dem Startschuss für den Bau ihres neuen Kindergartens entgegen. Der Zeitplan beim Spatenstich zum Kindergarten St. Konrad kommt am Mittwochnachmittag ein wenig in Verzug. Aber was sind elf Minuten im Vergleich zu zehn Jahren? So lange schon plant die katholische Gemeinde um Stadtdekan Johannes Lukas am Hammerweg das Großprojekt St. Konrad. Der Kindergarten ist der erste Baustein.

Das alte Jugendheim ist abgerissen, ein Teil der Mauer gefallen, die Hälfte des Pfarrgartens verschwunden. "Jetzt wird wieder etwas aufgebaut", verspricht Kirchenpfleger Klaus Hofmann. Doch woran hakte es so viele Jahre? Nicht an der Stadt, meint Bürgermeister Jens Meyer: "Wir wären schnell einig gewesen. Aber unsere Aufsichtsbehörden, die Diözese sowie die Regierung, waren es nicht." Die Lastenverteilung bei der Finanzierung war das Problem. Dabei gehe es doch bei dem Projekt - mit Kindergarten, Hort, Altenheim, betreutem Wohnen und Pfarrzentrum - um Menschen und nicht nur ums Geld. "Letztlich haben das auch die Aufsichtsbehörden erkannt", freut sich Meyer mit seinen Stadtratskollegen Hildegard Burger, Karl-Heinz Schell, Reinhold Wildenauer, Hans Blum, Wolfgang Pausch und Veit Wagner.

Doch das zähe Ringen hat Nerven gekostet, betont Stadtdekan Lukas: "Irgendwann habe ich dann zum Heiligen Geist gesagt: Wenn du denkst, dass gebaut werden soll, dann kümmere dich drum. Ich kann nicht mehr." Augenscheinlich hat er das getan: Die Bagger der Firma HB Bau Pfreimd stehen bereit. "Auch der Bau-Förderverein sowie die Architekten sind nicht müde geworden", dankt Kirchenpfleger Hofmann.

Im Gegenteil. Thomas Weiß, Vorsitzender des Bau-Fördervereins, kann der langen Vorlaufzeit sogar etwas Gutes abgewinnen: "Wir haben in der Zeit gesehen, wie gut die Pfarrei zusammenhält. Danke für die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit."

Thomas Gleißner vom Weidener Büro "apg 90 architekten + stadtplaner" beschreibt das "äußerst komplexe Vorhaben": "Das Gelände wird sich ziemlich verändern." Steht der neue Kindergarten, wird der alte abgerissen und das neue Seniorenheim errichtet. Im Anschluss entstehen Plätze für betreutes Wohnen. Das Pfarrzentrum setzt nach sechs Jahren den Schlusspunkt unter das Projekt in zweistelliger Millionenhöhe.

Zurück zum Mittwochnachmittag: Pfarrer Lukas bittet gerade um Gottes Segen für die Baustelle und für alle, die darauf arbeiten. Geht alles gut, wird der Kindergarten bereits 2016 eingeweiht. An den Kleinen von St. Konrad liegt's nicht, wenn der Zeitplan nicht gehalten werden kann: Längst haben sie ihre Spaten mit Wonne in den Boden gerammt.
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