Heilpraktiker Reinhold Kolzenburg entschlüsselt, was nachts im Kopf vorgeht
Träume sind keine Schäume

Die Elemente ziehen sich beim Einschlafen und beim Sterben zurück. Ich schlafe so, wie ich gelebt habe, und ich sterbe so.
"Hast ja nur ein kleines Träumli g'sehn, Träumli ja so schnell vorüber gehn", heißt es im Text eines alten Liedes. Dass Träume mehr sein können als nur vorübergehende Bilder, während wir schlafen, zeigte ein Vortrag im Maria-Seltmann-Haus.

Von Traumdeutung und den Büchern, die darüber geschrieben wurden, hält Reinhold Kolzenburg, Heilpraktiker für Psychotherapie, sehr wenig. "Träume haben individuell mit uns zu tun und können nicht verallgemeinert werden." Für den Referenten sind Träume ein "Königsweg zum Zugang zum Unterbewusstsein". Er unterteilt Träume in zwei Kategorien: Verkleidung von Bedürfnissen und Offenbarung innerpsychischer Prozesse. Kolzenburg sagt auch, dass Träume nur im Kontext des individuellen Lebens zu deuten seien. Außerdem hätten sie die Funktion, innerliche Ungleichgewichte auszugleichen. "Alle Dinge, die im Traum kommen, sind am Tag vorhanden gewesen. Das Leben kommt in Form eines Traumes", sagt der Experte. Man sollte den Alltag nicht vom Traum abschneiden.

Er stellte auch fest, dass das Gehirn drei Mal so viel speichern könne als ein sehr großer PC. Deshalb könnten wir uns auch im Traum an Dinge erinnern, die Jahrzehnte her sind. Wenn Alpträume immer wieder kommen, sollte dies verarbeitet werden. "Solange die Probleme nicht gelöst sind, trägt man sie immer mit sich."

Dann gibt Kolzenburg seinen Zuhörern Tipps zum Umgang mit Träumen. "Schreiben Sie den Inhalt in ein Traumtagebuch, solange Sie sich noch daran erinnern." Beim Einschlafen sollte man daran denken, was man träumen will. Vorher sollte man sich von negativen Gedanken frei machen, zum Beispiel indem man aufschreibt, was einen belastet. Traum-Yoga sei, wenn man bewusst in einen Traum hineingeht. Generell sei eine positive Einstellung zum Schlaf sehr wichtig.

Als ein Zuhörer berichtete, dass er Ereignisse auf der Welt zwei Tage vorher geträumt habe, sagte Kolzenburg: "Wir sind über unendlich viel Energie miteinander verbunden." Am Ende vergleicht er das Einschlafen mit dem Sterben. "Die Elemente ziehen sich beim Einschlafen und beim Sterben zurück. Ich schlafe so, wie ich gelebt habe, und ich sterbe so."
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