Heine als ständiger Begleiter

Was hat der Filmtitel "Volver" des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar mit Gemälden des 75-jährigen Künstlers Fritz Thiem zu tun, der Kunst in München und Paris studiert hatte, vor seiner Rückkehr nach Weiden einige Jahre in Berlin lebte? Seine Ausstellung im "Alten Schulhaus" in Weiden gibt darauf die Antworten.

Der Ausstellungstitel "Volver" gibt auf den ersten Blick Rätsel auf. Dann taucht auf dem Plakat auch noch der Name Heinrich Heines auf. Begibt man sich jedoch auf die Betrachtungsreise durch die Präsentation von Fritz Thiem, die bis 31. Oktober im "Kulturzentrum Hans Bauer" geöffnet ist, dann wird der Blick klarer, die Fragen finden ihre Antworten. "Heine war schon immer ein Begleiter meines Lebens. Meine Stimmung entspricht seit 2012 besonders den Gefühlen Heines", erklärt der Künstler. Thiem empfindet die politische und gesellschaftliche Situation unserer Zeit der des 19. Jahrhunderts ähnlich. "Ich versuche, mit meinen Bildern Dinge in Frage zu stellen."

Memoiren in Bildern

Fritz Thiem braucht als Thema für seine bildlichen Ausgestaltungen stets einen gegenständlichen Hintergrund, einen thematischen Inhalt. Abstraktes Arbeiten hält er für überholt. "Ich will erreichen, dass die Ergebnisse meiner Bilder Heine gefallen hätten." Mit seinen "schriftlichen Bildern" folgt er einer Wahrheitsidee, zahlreiche bildliche Verfremdungen wie sein Werk "Vohenstrauß jakobinisch" machen zunächst sprachlos, regen zu neuer Interpretation und Wahrheitssuche an. Thiem will Dinge zusammenbringen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören oder zusammenpassen. Es sei sein Bestreben, die Vorstellung Heines vom Inhalt des Begriffes "Versöhnung" in Szene zu setzen. Mit seiner Ausstellung wagt Thiem mit "Volver" die Rückschau, eine Rückbesinnung auf das Denken und Empfinden Heines. "Es ist an der Zeit, meine eigenen Memoiren zu schrieben, ich schreibe sie mit meinen Bildern."

Was war zuerst, der Ausstellungstitel oder die Rückbesinnung auf Heine? "Zuerst dachte ich an Heine, stellte mir seine Fragen, dann kam der Titel. Ich habe ihn über die Ausstellung gelegt." Heine, sein politisches Empfinden, seine romantische Zerrissenheit und zugleich politische Bestimmtheit versucht Thiem in seinen Bildern nachzuleben. Ihm gelingt mit einer Bilderreihe ein erschreckend aktueller Bezug - vielleicht unbewusst. Den Betrachter erreicht er jedoch unvermittelt packend, wenn er sich mit entsprechender Empfindsamkeit den Werken ausliefert. "Tauromaquia" zum Beispiel ist das Bild eines zu Boden gerungenen Stieres - oder die Doppelsituation des Angreifers, der einem in die Enge getriebenen Menschen gegenüber steht, der um Gnade bittend die Hände nach oben streckt.

Aktueller Bezug

Eine Bilderreihe erinnert an die aktuellen grausamen Taten der IS-Milizen in Syrien. Man glaubt, die Verzweiflung der Menschen zu sehen, ein Bild scheint ratlos-diskutierende Politiker zu zeigen, man erkennt fliehende Menschen, ein dreidimensionales rosa Häuschen, das an eine Grenzüberdachung erinnert, dann ein Hemd hinter einem Maschendrahtzaun. Das Ende der Flucht nach Europa.
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