Heiß auf die "Spicyboiss"

Drei Thai plus zwei "Speichelbroiss" - das Ergebnis? "Spicyboiss". Unter diesem Namen spielten die Weidener Punkrocker Patrick Sasse und Lutz Schwenker (Zweiter und Dritter von links) zusammen mit einheimischen Freunden ein ungewöhnliches Konzert in Thailand. Bild: hfz

Für die originalen "Speichelbroiss" reichte es nicht. Dafür traten drei Weidener Bandmitglieder zu wenig die Reise nach Thailand an. Zusammen mit einheimischen Musikern bildeten Sänger und Bassist kurzerhand eine neue Combo: die "Spicyboiss".

Die "Speichelbroiss" haben Eindruck hinterlassen in Bangkok, Kuala Lumpur und Jakarta. 2013 waren die Weidener zur Asien-Tour aufgebrochen, wo sie Erfolge in rappelvollen Clubs feierten - auch ein Dokumentarfilm ("Chao leh - Die Punknomaden") kündet vom großen Band-Abenteuer. Jetzt erhörten die "Speichelbroiss" die Rufe ihrer fernöstlichen Fangemeinde nach einer Zugabe. Auch wenn die reichlich ungewöhnlich ausfiel.

Denn die Punk-Combo reiste nicht in Originalbesetzung nach Asien. Eher in Minimalbesetzung: Nur mit Sänger Patrick Sasse und Bassist Lutz Schwenker. Eine Tour mit der kompletten Band wäre ein zu großer Akt gewesen, meint Sasse. Die Thai-Fans habe er aber nicht hängen lassen wollen - seit der Tour 2013 hätten sich Anfragen nach weiteren Gastspielen gehäuft. Deshalb kam es zu einer besonderen Übereinkunft: Patrick und Lutz würden ihren Urlaub in Thailand verbringen und für ein "Speichelbroiss"-Konzert in Hat Yai auf die Dienste einer lokalen Band zurückgreifen. Die befreundeten Combos "E-8" und "KAAB" boten an, ihnen zwei Gitarristen und einen Schlagzeuger leihen.

Zungenbrecher vermieden

Noch in der Oberpfälzer Heimat stellten Sänger und Bassist das Programm zusammen: 13 "Speichelbroiss"-Songs, dazu den "Normahl"-Klassiker "Fraggles". Im Dezember mailten sie die dazugehörigen mp3-Dateien nach Asien. Sasse: "Nach vier Wochen kam die Antwort: ,Wir können schon alle Songs spielen.'" Der Konzerttermin wurde fix gemacht: 14. Februar, "Rockspacebar", Hat Yai. Die Band auf den Konzertplakaten trug allerdings nicht den Namen "Speichelbroiss". Weil dieser sich als Zungenbrecher für die Fernost-Fans erwiesen hatte, mutierte er zum besonderen Anlass zu "Spicyboiss".

Der Zeitplan war ehrgeizig: Am Freitag, 13. Februar, landeten die beiden Weidener am "Hat Yai Airport", freudig begrüßt von Kumpel Kai ("E-8"). Um 22 Uhr war Bandprobe, um 2 Uhr stand das Set. Für vier Songs wechselten die "Spicyboiss" den Schlagzeuger - der angestammte hatte nicht genügend Zeit gehabt, sie einzuüben. Am Abend darauf "füllte sich die ,Rockspacebar' bis zum letzten Zentimeter", erzählt Patrick Sasse. "Einige Besucher mussten sich das Konzert sogar von der Straße aus ansehen."

Nach den lokalen Punkbands "The Suffer Die" und "Children of the South" enterten die "Spicyboiss" die Bühne. Zwei Deutsche und drei ThaiPunks im trauten Miteinander. Die Höhepunkte: "Our Town", "Chao Leh" und "Fraggles", das Sasse im Duett mit dem einheimischen Gitarristen sang - "auf deutsch"! Nach 45 Minuten endete das umjubelte - und laut Sasse "perfekt gespielte" - Konzert mit zwei Zugaben und einer ausgiebigen Fotosession mit Fans. "Ein Wahnsinnserlebnis", schwärmt der Sänger.

"Punknomaden"-Premiere

Wie wahnsinnig in Thailand der Punk abgeht, können sich demnächst auch hiesige Anhänger vor Augen führen: Die "Punknomaden"-Doku läuft bei den "Grenzland-Filmtagen" in Selb (9. bis 12. April), beim "Punkfilmfest" in Berlin (6. bis 10. Mai) und bei den Schwandorfer Dokumentarfilmtagen (21. bis 29. September). Außerdem bemüht sich Sasse um einen Premierentermin in Weiden. Ein Trailer ist im Internet abrufbar. Die Adresse lautet www.chaoleh-punkfilm.com

Und das Thailand-Abenteuer ist längst nicht beendet. Für 2016 plant Sasse weitere Konzerte, "eventuell sogar eine Tour bis rüber nach Malaysia". Bei den Anfeuerungsrufen bleibt der Fangemeinde abermals ein Zungenbrecher erspart: Statt "Speichelbroiss" sollen wieder die "Spicyboiss" über die Bühnen fegen.
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