Heiße Reifen

Mit Atemschutz gegen gewaltige Rauchschwaden: Weil rund 300 Tonnen Reststoffe bei einer Recycling-Firma in Brand geraten waren, startete die Feuerwehr in der Nacht zum Montag einen langwierigen Einsatz. Bild: BK Media

Keine Verletzten, kein Sachschaden, aber ein gewaltiger Einsatz: Ein Brand bei einem Autoreifen-Recycler hält die Feuerwehr die Nacht über auf Trab. Mal wieder.

Richard Schieder ist müde. Der Schlaf endete für den Stadtbrandrat jäh in der Nacht zum Montag. Gegen 2 Uhr hatte ein Zeuge Feuer auf dem Gelände der Estato Umweltservice GmbH am Industriegebiet Brandweiher gemeldet. Tatsächlich war zu diesem Zeitpunkt eine Rauchsäule bis nach Neunkirchen zu sehen. Bei der Firma, die Autoreifen verwertet, hatte sich auf einer Brachfläche ein Haufen Reststoffe entzündet: dünne Stahldrähte, Gummi und Textilteile - was beim Verwerten der Reifen so übrigbleibt. Insgesamt etwa 300 Tonnen auf 30 mal 30 Meter. Und auch wenn die Feuerwehr vor Ort schon einige Erfahrung hatte, begann laut Schieder ein Einsatz, "den wir in dieser Größenordnung noch nicht gehabt haben".

Als die Einsatzkräfte ankamen, brannte der Haufen "lichterloh". Vor allem aber die Rauchentwicklung war "ganz enorm". Die Züge an der angrenzenden Bahnstrecke mussten deshalb langsamer fahren. Weil der Wind aus Norden kam, stand daneben sogar kurz im Raum, dass die Neunkirchener per Lautsprecher aufgefordert werden müssen, die Fenster zu schließen. So weit kam es aber nicht. Ohnehin gelang es innerhalb einer halben Stunde, das Gröbste einzudämmen. Vorbei war der Einsatz damit aber noch lange nicht.

Wohl selbst entzündet

Die 29 Weidener und 15 Neunkirchener Feuerwehrleute - neben ihnen waren noch BRK und Polizei vor Ort - trugen den Haufen mit zwei Radladern nach und nach ab und brachten ihn auf einer Teerfläche auf, wo er dann mit Wasser und Schaum gelöscht wurde. Um 7.30 Uhr schließlich kehrte das letzte Fahrzeug in die Feuerwache zurück.

Immerhin ist die weitere Bilanz des Brandes laut Polizei glimpflich: Verletzt hat sich niemand. Weil keine Gebäude oder Maschinen in Mitleidenschaft gezogen wurden, entstand auch kein Sachschaden. Ursache war wohl Selbstentzündung. Womöglich ist der Stahldraht oxidiert, was Wärme erzeugt, versucht sich Schieder in einer Erklärung. Ähnliches habe er jedenfalls schon einmal mit Abfällen der Reifenverwertung erlebt. So wie die Feuerwehr sowieso schon viel Erfahrung vor Ort hat.

Laut Schieder war dies heuer bereits der siebte Brand bei Estato. Hinzu kommen acht Fehlalarme. Auch die Zahlen der vergangenen Jahre sind hoch. Der Stadtbrandrat betont zwar, dass die Firma viele Vorsichtsmaßnahmen ergreife - kein Vorwurf also. Trotzdem seien die Vorfälle gerade für die Neunkirchener Wehr "eine Belastung": Sie habe fast 50 Prozent ihrer Einsätze dort. Deshalb suche er das Gespräch mit der Firma, um die Zahl der Vorfälle zu senken. Bislang sei das aber an Terminproblemen gescheitert. Was es zumindest bald geben wird, ist indes eine erneute Rechnung: Für die Einsätze bei Fehlalarm wurden immer je rund 200 Euro fällig. Einsätze bei Bränden wiederum sind zwar für Betroffene kostenlos. Aber das Unternehmen wird für die Kosten von Sonderlöschmitteln aufkommen müssen. Am Montag waren das mehr als 1000 Liter Schaum, macht über 9000 Euro.
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