Heiße Stirn, wirr im Kopf

So ein Hut steht einem nicht nur gut. Er dient an Tropentagen auch als Sonnenschutz und wird als solcher gar vom Chefarzt der Kardiologie im Klinikum, Prof. Dr. Robert Schwinger, wärmstens empfohlen. Renate Weidacher-Herzig (links) und Alexandra Summerer wissen sich bereits gut "behütet". Bild: Götz

Was waren nicht alle heiß auf den Sommer. Mit der Affenhitze, die dann aber aus der Sahara über Weiden kam, hat keiner gerechnet. Entsprechend heiß ging es her in der Notambulanz des Klinikums. Dabei ist es gar nicht so schwer, bei der nächsten Hitzewelle einen kühlen Kopf zu bewahren.

Eine Sitzpause auf der Metallrutsche bei 38 Grad und Sonnenschein ist keine gute Idee. Das musste eine Dreijährige schmerzlich erfahren: Ein Arzt behandelte sie in der Notaufnahme der Kinderklinik wegen Verbrennungen zweiten Grades am Po. Und das ist nur einer von unzähligen Hitze-Notfällen, die dem Weidener Klinikum während der Tropentage untergekommen sind.

Von einem sehr hohen Patientenaufkommen an Hitzetagen berichtet die Sprecherin des Klinikums: "Es herrschte etwa 20 Prozent mehr Andrang in der Notaufnahme als an normal temperierten Tagen", sagt Nina Meiler. Speziell Herzpatienten haben Probleme, weiß Prof. Dr. Robert Schwinger. Der Chefarzt der Medizinischen Klinik II spricht gar von einem Drittel mehr an Patienten für die Kardiologie. Ansonsten gilt es, vermehrt allergische Reaktionen auf Insektenstiche zu behandeln. Zudem werden besonders ältere Menschen eingeliefert, die zu wenig trinken.

Und auch in der Kinderklinik ist mehr los als sonst: "Das Gehirn der Kinder ist durch die starke Hitze beeinträchtigt, der Körper ausgetrocknet", sagt Chefarzt Dr. Fritz Schneble. Die Folgen: Kinder klagen urplötzlich über massive Kopfschmerzen, erzählen wirres Zeug, sind nicht mehr normal ansprechbar, krampfen gar, oder ihre Haut ist schlicht von Sonnenstrahlen verbrannt.

"Arbeiten ist ganz schlecht"

"Seit zwei Wochen nehmen wir ein bis zwei Kinder pro Tag, am Wochenende noch mehr, infolge der Hitze auf", sagt Dr. Schneble - und weiß auch, warum. "Wenn das Wetter so toll ist, wollen viel mehr Kinder raus als sonst." Allein dadurch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass etwas draußen passiert. "Dazu kommt, dass wir solche Temperaturen nicht gewöhnt sind. Den Umgang damit müssen wir erst lernen."

Das heißt? Es braucht mehr zu trinken und einen guten UV-Schutz, am besten Sonnencreme speziell für Kinder. "Stundenlange Hitze muss gemieden werden, weil sie dazu führt, dass Kinder massiv austrocknen." Deshalb sollten längere Autofahrten mit dem Nachwuchs an Tropentagen möglichst tabu sein - selbst unter Einsatz der Klimaanlage: "Auch sie entzieht den Kindern permanent Flüssigkeit", warnt Dr. Schneble und fordert von den Eltern: "Körperliche Betätigungen im Freien sind einzuschränken." Ansonsten würde der Nachwuchs bis zum Umfallen kicken. "Man kann nicht von einem Kind erwarten, dass es weiß, es muss jetzt Pause machen."

"Arbeiten bei solchen Temperaturen ist ganz schlecht", warnt Prof. Schwinger dann auch die Erwachsenen. Aufgeheizt von der Sonne in den kalten Weiher zu springen, aber auch. "Es droht der plötzliche Herzstillstand. Das ist ein Reflex, der unabhängig vom Alter einsetzt."

Vor allem Menschen mit Herzproblemen - meist über 55-Jährige - seien bei der Hitze gefährdet: Sie dürfen wegen der Medikation nur eine bestimmte Menge trinken. "Das an heißen Tagen richtig einzuschätzen, ist fast unmöglich." Ruckzuck sinkt dann der Blutdruck, Schwindel und Erbrechen können folgen, es droht der Hitzschlag. Reihenweise schlagen derzeit solche Fälle im Klinikum auf. "Um das zu verhindern, muss der Patient mitarbeiten." Also raus aus der Hitze, angemessen trinken, engmaschig den eigenen Blutdruck messen - und Hut auf. "Es ist aus ärztlicher Sicht ein Fehler, dass der Hut aus der Mode gekommen ist."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.