Helden, Bösewichte und Blasenpflaster: "Filmreife Flucht" nach Ladendiebstahl

Die Polizei nennt es in ihrem Bericht einen "filmreifen Ladendiebstahl". Und tatsächlich hat die Tat - und vor allem ihr Nachspiel - alle Zutaten, die ein actionbeladener Streifen braucht, wilde Verfolgungsjagd und draufgängerische Helden inklusive.

Szene eins spielt sich am Dienstag in einem Supermarkt an der Unteren Bauscherstraße ab. Dort schlendern die Hauptdarsteller, ein 26-Jähriger und sein Begleiter (27), durch die Regalreihen und stopfen ihre Taschen mit Waren voll. Weil sie aber an der Kasse längst nicht alles davon bezahlen, sprechen Beschäftigte des Marktes die beiden an. Und das Drama nimmt Fahrt auf.

Denn mit einem Mal reißen sich die zwei los, schlagen um sich und stoßen die Mitarbeiter zur Seite. Die Flucht beginnt - in Richtung Moosbürger Straße. Die Beschäftigten des Supermarktes (18, 23 und 28 Jahre) nehmen die Verfolgung auf.

Im Hofraum der Bundeskasse kommt es zu einem ersten Wiedersehen, wobei das Duo sofort auf seine Verfolger losgeht: Es setzt Tritte, Schläge und einen Kinnhaken. Letztlich gelingt es den beiden Dieben, sich erneut loszureißen und über die nahe gelegenen Tennisplätze davonzulaufen. Die Verfolger geben aber immer noch nicht auf - und haben inzwischen Unterstützung: Ein Zollbeamter, der das Ganze beobachtete, hat sich ihnen angeschlossen. Und sie kommen den Dieben näher, denen langsam die Puste ausgeht.

Die Hatz geht aber trotzdem erst einmal weiter. Über die benachbarten Pferdekoppeln, durch ein kleines Wäldchen, über einen Zaun und auf ein Firmengelände und dann wieder stadteinwärts. Wobei nun den 27-jährigen Ladendieb endgültig die Kondition verlässt. Er versteckt sich hinter einem Zelt, wo ihn schließlich eine Polizeistreife schnappt.

Etwas länger währt die Freiheit des jüngeren Diebes. Aber nur etwas, weil er fatalerweise "wenig Ortskenntnis" hat, wie die Polizei notiert: Er hetzt ausgerechnet über die Regensburger Straße stadtauswärts - und kommt damit auch zum Kreisverkehr vor der Polizeiinspektion. Dort läuft er einer Streife "praktisch vor die Motorhaube". Und wird festgenommen. Der letzte Akt liefert dann noch eine Pointe, wie sich das am Ende von Actionfilmen gehört. Denn inzwischen hat die Polizei auch das Diebesgut gesichert. Wie die Beamten daraus folgern, handelt es bei den Langfingern "um wahre Gourmets".

Die, wenn auch eher geringe, Beute im Wert von 30 Euro bestand aus Räucherlachs, Forellen-, Makrelen-, Matjes- und Heringsfilets, Deutschem und Forellen-Kaviar, einigen weiteren Lebensmitteln - und einer Packung Blasenpflaster. Zumindest Letztere dürften die zwei nach der Flucht schmerzlich vermissen.
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