Helfer "längst am Limit"

Ob sie sich nach der Flucht in Weiden wohlfühlen, ist zunächst keine wichtige Frage. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert und wollen hier erst einmal zur Ruhe kommen. Um Sicherheit und Versorgung kümmern sich die Stadt und viele freiwillige Helfer. Eine Situation, die alle an die Grenze der Belastbarkeit bringt.

(sbü) Am Vorabend des Brandanschlags in Neustadt/WN machte sich die SPD-Fraktion ein Bild von der Lage. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Rechtsdezernent Hermann Hubmann und Jugendamtsleiterin Bärbel Otto informierten die Genossen, und am Ende gab es großes Lob von Fraktionschef Roland Richter: "Ich habe den Eindruck, der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung erfüllen hervorragend den Geist des Grundgesetzes. Die Flüchtlinge sind in Weiden in guten Händen."

100 Flüchtlinge in Turnhalle

"Wir müssen vier Gruppen unterscheiden", hatte Seggewiß zu den Unterkünften erklärt: "Erstaufnahme in der Berufsschulturnhalle, Asylbewerber mit laufenden Verfahren in Camp Pitman und Johannisstraße, dezentral Untergebrachte, zum Beispiel Familien, und die unbegleiteten Minderjährigen." Die Hauptsorge gelte momentan der Erstaufnahmeeinrichtung im Zuge des Notfallplans. Täglich lässt sich Seggewiß einen Lagebericht geben. Es herrsche ein Kommen und Gehen, derzeit seien 38 Flüchtlinge untergebracht. In Kürze werde wieder auf 100 aufgefüllt. Die Verbleibdauer liege zwischen drei Tagen und drei Wochen.

Seggewiß beurteilte die Halle als "Einrichtung mit guter Infrastruktur einschließlich der sanitären Anlagen und des Sitzbereichs für die Helfer". Neuankömmlinge würden am ersten Tag nur kurz begutachtet, "denn die sind fix und fertig, und zuerst müssen die Grundbedürfnisse befriedigt werden". Erst danach folgen die ärztlichen Untersuchungen im Krankenhaus. Tagsüber würden die Flüchtlinge von einem Einsatzleiter und zwei Hilfskräften betreut.

Nachts bewache der Sicherheitsdienst die Unterkunft. Auffälligkeiten würden sofort der Rufbereitschaft gemeldet. Ab sofort stehe ein Bildschirm für Videofilme zur Verfügung, ein Kicker sei den Kindern versprochen. "Die Menschen stammen fast überwiegend aus Syrien, dem Irak, dem Iran, aus Afghanistan und nur vereinzelt aus Afrika", berichtete Seggewiß. Weiden sei von Flüchtenden aus den Balkanstaaten wenig betroffen. Neben der Neuaufnahme sei die Betreuung der Minderjährigen als ganz besondere Herausforderung zu sehen. Insgesamt würden derzeit 58 jugendliche Flüchtlinge betreut, darunter 49 in eigener Zuständigkeit und 9 "in Amtshilfe für den Landkreis Passau".

Personal verstärken

Zusätzliche Stellen gibt es nur in geringstem Umfang, deswegen müssten alle irgendwie verfügbaren Personalkapazitäten zur Betreuung von Jugendlichen und Kindern rund um die Uhr eingesetzt werden, erklärte Bärbel Otto. "Die Mitarbeiter arbeiten längst am Limit", ergänzte Hubmann. Zusammen mit dem Oberbürgermeister dankte er ihnen und den vielen freiwilligen Helfern ausdrücklich. Das Personal von Jugendamt, Ausländerbehörde und Sozialamt müsse dringend verstärkt werden.
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