Helmut Schleich ist "ehrlich" und geht in Weiden mit Seehofer, Dobrindt und Scheuer hart ins ...
"Sprüche von der politischen Reste-Rampe"

Als "Franz Josef Strauß" liest Helmut Schleich am Rednerpult den Politikern deftig-bayerisch die Leviten. Bild: Otto
Kein geringerer als der diesjährige Gewinner des Bayerischen Kabarettpreises gibt am Donnerstagabend in der Max-Reger-Halle seine Visitenkarte ab. Helmut Schleich liefert Satire vom Feinsten, Schenkelklopfer, pointierte Spitzen aber auch skurril-tiefsinnige Philosophiererei - bitterböse und brillant.

Da ist er, der Schleich. Und er ist nicht allein. Mitgebracht hat er einen namenlosen Amokläufer, einen bierdimpfeligen Stammtischbruder und Heinrich von Horchen, seines Zeichens Gesangslehrer von Marika Röck. Und natürlich erweckt er posthum die Lichtgestalt der Bayerischen Politik zum Leben: Franz-Josef Strauß - seine Paraderolle.

"Worthülsen-Vollernter"

Als Heinrich von Horchen mit Zylinder und weißem Schal seziert der Urbayer Schleich als Mischung aus Jopi Heesters und Helmut Schmidt die politische Gegenwart. Hanseatisch näselnd, mit einer leichten Sprachstörung, parliert er über EU, NSA-Skandal und Griechenlandkrise, um dann einen Exkurs in frühe Spionagezeiten zu machen. "Wenn der Pharao damals abgehört worden ist, da mussten ja noch Hieroglyphen in Stein gemeißelt werden, das war harte Arbeit. Oder zu Mata Haris Zeiten: Keine Wanzen, sondern "Wat-WatzWachswalzen" hätten dafür beschrieben werden müssen. Unpraktisch und obendrein auch nicht ganzjährig möglich. Im Sommer sei das Wachs ja geschmolzen. Da war nur in Monaten mit "r" Spionagesaison. CSU-Kritiker müssen lange warten. Erst nach der Pause gibt es einen kalten Guss - posthum, von niemand Geringeren als Franz Josef Strauß. An Generalsekretär Andreas Scheuer beispielsweise lässt er kein gutes Haar. "Das ist kein Phrasendrescher, sondern ein Worthülsen-Vollernter", grantelt Strauß. "Spricht der von Verabschiedungskultur. Das sind Sprüche von der politischen Reste-Rampe. So blöd kann doch einer alleine nicht sein, irgendwo muss da ein Zwillingsbruder sein."

Sprechender Aktendeckel

Verkehrsminister Alexander Dobrindt habe immerhin auch helle Momente. Als es im Bundestag hieß, die schwarze Null steht, da sei der Dobrindt einfach sitzen geblieben. Und Seehofer? Der habe dem Papst als Gastgeschenk einen Fresskorb von Dallmayr mitgebracht. "Mit Dosenweißwürsten und Kaffee, so was haben wir früher in die DDR geschickt."

Genüsslich nimmt "Strauß" einige Schlucke Dornkaat-Schorle zu sich, um sich dann Edmund Stoiber vorzunehmen: Sprechender Aktendeckel, Kamillenteesieder, Arschkriecher. "Was ist denn aus meinem schönen Bayern geworden? Ein Freiluftmuseum, ausgestorbene Berufe, unverständliche Dialekte und mitten drin ein Promikoch, der Weißwürste paniert."

Den Abend beschließt Schleich mit maximal ehrlichem und potenziell bedrohlichem Product-Placement. "Also, wenn jemand ohne DVD rauskommt - ich hab da vor der Halle meine Leute stehen. Das kann recht unschön werden." Aber auch trotz dieser Eigenwerbung: Eine Butterfahrt ist diese Tour de Force durch die politischen Niederungen nicht.
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