Heuchelei und Ehrlosigkeit

Theaterprofis aus Wien gastierten mit Friedrich Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" an der Gustl-Lang-Wirtschaftsschule. Mit im Gepäck hatten sie Heuchelei und Ehrlosigkeit in einer scheinbar anständigen Gesellschaft.

Eine Premiere erlebten die Abschlussklassen, als das Wiener Forumtheater den berühmten Klassiker des 20. Jahrhunderts "Der Besuch der alten Dame" in einer vereinfachten Schulfassung auf die Bühne der Aula brachte. Im Deutschunterricht hatten die Schüler bereits den Originaltext als Lektüre kennengelernt. Gebannt verfolgten sie nun, wie die vier Schauspieler diese Tragikomödie mit einer Eindringlichkeit interpretierten, die sowohl die komischen als auch die sentimentalen und bitterbösen Aspekte des Stückes zur Geltung brachte.

Valentin Eckhart, Tourneeleiter und Darsteller des Bürgermeisters, gab zunächst eine kleine Einführung zum Autor Friedrich Dürrenmatt. In dem Stück geht es um die bittere Rache der Milliardärin Claire Zachanassian, die nach über 40 Jahren in ihren verarmten Heimatort in der Schweiz zurückkehrt und sich für ihr in ihrer Jugendzeit dort erlittenes Unglück auf besonders makabre Weise rächt.

Als Bürgermeister demonstrierte Eckhart die ganze Lächerlichkeit dieser Figur mit vollem Körpereinsatz. Andrea Ostermann spielte die Gemeindesekretärin und überzeugte besonders durch ihre Interpretation des Kinderchors. Sylvia Schlickmann betonte gekonnt die Arroganz Claires den Einwohnern gegenüber. Sie glänzte in der boshaft-sentimentalen Szene im Konradsweilerwald, als sie sich mit ihrem ehemaligen Geliebten Ill trifft, der sie damals im Stich ließ, nachdem er sie geschwängert hatte.

Walter Förster als Ill spielte alle Facetten dieses zwielichtigen Charakters aus. In seinem Schlussmonolog schleuderte er geradezu seine ganze Verzweiflung ins Publikum, das noch einige Sekunden brauchte, um dann in tosenden Applaus auszubrechen.

Deutsch-Fachbetreuer Jakob Reitz zog das Fazit, dass Weltliteratur, wenn sie schülergerecht aufbereitet wird, auch heute noch junge Menschen in ihren Bann ziehen könne.
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