Hier wie da lichte Momente

Auf dass die Sicherungen halten, sagte ein Hauseigentümer und prostete mit Glühwein in die Runde, die gerade das Leuchten der neuen Lichterketten in der Max-Reger-Straße feierte. Bilder: Steinbacher
 
Über einen ganzen Lichterteppich freut sich die Stadt Amberg. Der macht mächtig was her, hat aber auch mächtig gekostet.

Zwei Städte, ein Problem: die fehlende Weihnachtsbeleuchtung - und wer sie bezahlt. Jahrelang haderten Weiden und Amberg. Nun ist das Problem hier wie da gelöst. Das Ergebnis könnte kaum unterschiedlicher ausfallen. Und auch der Weg dorthin hat wenig gemein - außer den Streit.

Knall auf Fall ging es zu Ende mit der Weihnachtsbeleuchtung in der Max-Reger-Straße. "Die hat's zerrissen", sagt Andrea Schild-Janker. Das war 2007. Mit den Lichtern verabschiedeten sich auch einige Kassensysteme in den Geschäften ringsherum. Ausgerechnet an einem Freitag kurz vor Heiligabend. Daran erinnert die Chefin vom Stadtmarketingverein Pro Weiden am Montag - acht Jahre später. So lange hat es gedauert, bis in der Max-Reger-Straße über den Passanten der Einkaufsstraße erneut durchgängig Lichterketten in der Vorweihnachtszeit leuchten. Denn keiner wollte zahlen.

Rückblick: Die Stadt klagte über klamme Kassen, die vielen Filialisten in der Max-Reger-Straße über das fehlende Budget seitens der Zentrale für ein Lichtermeer vor dem Ladeneingang. Nur eine Handvoll Firmen waren bereit, umgehend eine neue Beleuchtung anzuschaffen. Also leuchteten sieben Jahre lang nur fünf Ketten in der langen Einkaufsflucht zwischen Ringstraße und Josef-Witt-Platz. Es hagelte Spott von Einkäufern und Kritik von Stadt sowie Stadtmarketingverein. Und es gab Zank zwischen den Ladeninhabern, die für die Lichter löhnten und den anderen, die nicht mitmachten. Vorbei. Dank der Hauseigentümer.

Im Zugzwang

Seit Montag erstrahlen 14 Ketten und damit 9 mehr als in den Vorjahren in der Max-Reger-Straße. Kostenpunkt: 13 000 Euro. 7000 Euro konnten gespart werden, indem die Mitarbeiter des City-Centers die Montage der Lichter an den Girlanden stemmten. Für den Auf- und Abbau sowie die Einlagerung kommt die Stadt auf. "Das entspricht Kosten etwa in Höhe des Anschaffungspreises", erklärt Schild-Janker. Die 13 000-Euro-Rechnung beglich City-Center-Chef Philipp Kaufmann. Er ging damit in Vorleistung für die Hauseigentümer der Einkaufsstraße, die Gabriele Sebald, selbst Eigentümerin, für die Anschaffung der Lichterketten begeistern konnte. "Es liegt ja auch in unserem Interesse, dass die Leute nicht in Regensburg, Nürnberg oder Bayreuth einkaufen, sondern hier in der Max-Reger-Straße."

Zugleich äußert Sebald Verständnis für die Filialisten, die sich teils gern an den Lichterketten beteiligt hätten, aber die Zentrale dafür schlicht kein Geld zur Verfügung stellt. "Wir alle, Eigentümer wie Händler, wollen die Attraktivität der Straße steigern." Man stehe in einem regen Austausch. Gerade auch mit Blick auf die Veränderungen, die mit dem Bau der Stadtgalerie einhergehen werden. "Ja, das hat uns alle ein wenig wachgerüttelt."

In Amberg kamen weder die Hauseigentümer noch die Händler in die Gänge. Letztlich stimmte der Stadtrat für eine Innenstadtbeleuchtung. Und für was für eine: 200 000 Euro lässt sich die Vilsstadt die Winterbeleuchtung in Form eines langen Lichterteppichs über den Köpfen der Einkäufer in der Innenstadt kosten. Er soll bis Mariä Lichtmess erstrahlen und wird über die Vorweihnachtszeit mit über- und dreidimensionalen Sternen ergänzt. Die dortige Park- und Werbegemeinschaft betreibt das Lichtermeer - und wirbt bei den Händlern um Zuschüsse. Mit Erfolg. Anders als in Weiden sitzen in Amberg nun sogar einige Filialisten mit im Boot. Dabei ruderten sie wie in Weiden lange weit ab, wenn es um die Beteiligung an der Finanzierung für die Lichter ging. Der Giga-Lichterteppich aber scheint sie überzeugt zu haben.

"Amberg abstinken lassen"

Überzeugte Filialisten: So weit ist es in Weiden nicht. Unabhängig davon richtet Andrea Schild-Janker aus: "Der OB hat sich sehr gefreut, dass die Max-Reger-Stadt nun auch mit von der Partie ist beim Lichtkonzept der Innenstadt." Dann greift die Stadtmarketing-Chefin zum Glühwein, prostet in die Runde und ruft selbstbewusst: "Lassen wir Amberg abstinken."
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