Hilferuf nach Auszubildenden

"Wer soll in Zukunft meine Böden legen?", fragt sich Parkettlegemeister Fritz Troglauer (links). Kreishandwerksmeister Karl Arnold (rechts) will stärker für Handwerksberufe werben. Bild sbü

Immer weniger Jugendliche wollen einen Handwerksberuf lernen. Dabei haben viele Handwerker hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nach wie vor drängen die meisten Schulabsolventen in Büroberufe oder wollen studieren. Den Handwerksbetrieben geht der Nachwuchs aus. Aufträge hätten sie genügend, aber wer soll sie ausführen?

(sbü) "Seit vier Jahren habe ich keinen neuen Auszubildenden einstellen können", berichtet Fritz Troglauer. Als Raumausstatter in der Pressather Straße in Weiden führt der Parkettlegemeister seinen Betrieb seit 1994. "Fünfzehn Personen waren wir schon einmal, jetzt sind wir noch zu acht", bedauert Troglauer. Dabei schöpfe er alle Möglichkeiten der Personalgewinnung aus. Arbeitsagentur, Zeitungsanzeigen, Ausbildungsmesse - "sogar Plakate habe ich in allen Hauptschulen der Region ausgehängt". Aber die Resonanz sei ausgeblieben.

Weil genügend Aufträge vorhanden sind, musste Troglauer auch alternative Wege einschlagen, um neue Mitarbeiter einstellen zu können. So will er ab kommendem Herbst auch einen 33-jährigen Umschüler ausbilden. Eine gelernte Schreinerin habe er vor kurzem ebenfalls eingestellt. Sie soll intern angelernt werden. Langfristig gesehen sieht Troglauer aufgrund des Personalmangels sogar die Existenz seines Betriebes gefährdet. Aber er sagt: "Ich will kämpfen bis zum Schluss." Andere Betriebe seines Gewerbes seien in einer ähnlichen Situation. Die zentrale Berufsschule für Parkettleger in Neustadt/Aisch besteht nur noch aus zwei Klassen für ganz Bayern.

Die Situation der Firma Troglauer ist symptomatisch für viele selbstständige Handwerker. Immer weniger Schulabsolventen wollen einen Handwerksberuf erlernen. Dies zeigen die neuesten Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung über abgeschlossene Ausbildungsverträge im Handwerk. Vor allem in der nördlichen Oberpfalz muss im Jahre 2014 fast von einem Einbruch der im Handwerk neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gesprochen werden. Nur noch 606 neue Verträge, 102 weniger als im Vorjahr, zählt diese Statistik für die Stadt Weiden und die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth.

Fast alle Teilbereiche des Handwerks haben weniger neue Auszubildende eingestellt. Beispiele dafür sind Metallbau und Schweißtechnik (minus 8 auf 54), Holzbe- und -verarbeitung (minus 6 auf 27), Fahrzeugtechnik (minus 24 auf 78) und Mechatronik/Automatisierungstechnik (minus 15 auf 60). Der Bereich Lebensmittelherstellung, das sind Bäcker und Metzger, konnte in der gesamten nördlichen Oberpfalz nur noch 36 neue Auszubildende, nochmals 11 weniger als im Vorjahr, einstellen. Als Ausnahme gilt die Gruppe Klempner, Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik. Dort gab es immerhin eine Zunahme um 12 auf 39 neue Ausbildungsverträge. Auch bei den Maschinenbauern gab es ein kleines Plus von 6 auf 66 Neuverträge.

Kreishandwerksmeister Karl Arnold sieht in Anbetracht der Entwicklung insgesamt "die dringende Notwendigkeit, die Ausbildung im Handwerk für Jugendliche wieder attraktiver zu machen". Das Handwerk müsse sich auch positiver darstellen und die "hervorragenden Arbeitsmarktchancen" mehr aufzeigen. Arnold will deshalb in den nächsten Wochen verstärkt an die Öffentlichkeit herantreten.

Parkettlegemeister Troglauer hat dazu auch sofort eine Idee. "Bauen wir doch in unsere Ausbildung auch die Möglichkeit für ein Auslandspraktikum ein", schlägt er vor. Vielleicht kann er dann eines Tages noch einmal wie vor einigen Jahren einem seiner Auszubildenden zum "zweiten Landessieger" gratulieren.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.