Hilferuf vom Beckenrand

Stirnrunzeln bei Reinhard Meier, wenn er auf die Zahlen schaut. Der Vorsitzende des Schwimmvereins hat eine detaillierte finanzielle Aufstellung erstellen lassen und sieht große Risiken für den weiteren Betrieb des Schätzlerbads durch den Verein. Bild: sbü

Der Schwimmverein schlägt Alarm: Mehreinnahmen müssen her, sonst drohe die Schließung des Schätzlerbads. Mit einer ausführlichen finanziellen Expertise will Vorsitzender Reinhard Meier aufrütteln. Es gibt genügend Ideen, aber allein könne der Verein die Aufgaben nicht mehr schultern. Auch der Ruf nach Sponsoren ist zu hören.

(sbü) "Wir befinden uns an einem kritischen Punkt und müssen uns dringend an Politik und Öffentlichkeit wenden", sagt Reinhard Meier, Vorsitzender des Schwimmvereins. Trotz Hitzesommer und Langzeitrekord bei Besucherzahlen sei der künftige Betrieb des Bades keinesfalls gesichert. Das Betriebsmodell "Schwimmverein als Eigentümer, Betreiber und Defizitträger" sei zu sensibel, um den Bestand des Bades auf Dauer zu garantieren. "Wir brauchen dringend Mehreinnahmen", erklärt Meier. "Glücklicherweise ist dieses Jahr keine größere Reparatur angefallen. Kommt sie, steht das Bad vor dem Aus."

Dem Verein fehle die Finanzkraft, um größere Risiken abzudecken. Dazu heißt es in einem vorgelegten Gutachten: "Der in 2015 erwartete Liquiditätsüberschuss (laut beigefügter Tabelle 59 560 Euro) ist für die vorzeitige Tilgung der Darlehen vorgesehen. Der kleinere Überschuss in 2016 (22 218 Euro) sollte als Ansparung für die Jahre 2017 und 2018 zur Verfügung stehen. Käme es jedoch zu einer unerwarteten größeren Reparatur oder das Wetter spielt nicht mit, ist davon auszugehen, dass es zu keinem Überschuss kommen wird."

Zukunft bereitet Sorgen

Wie ernst für die Vereinsführung die Situation ist, geht an anderer Stelle aus dem Gutachten hervor: "Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Vision über 2017 hinaus Sinn macht. Wegen der Erfahrung aus den Jahren 2013 und 2014 liegt es nahe, dass sich niemand mehr zur Führung des Vereins zur Verfügung stellt. Dann liegt es in den Händen der Stadt, was mit dem Schätzlerbad passiert." Die Sorgen des Vereins betreffen somit vor allem die kommenden Jahre. Für das laufende Jahr rechnet Meier wegen der Hitzeperiode mit einer Besucherzahl von 170 000. Dies seien circa 27 000 mehr als im Vorjahr und sogar geringfügig mehr als in den Rekordjahren 2009 und 2010. Allerdings brächten größere Besucherzahlen auch steigende Betriebskosten, etwa wegen Wasseraustausches oder Strom.

Heuer seien allein für die Beckenbäder Kosten von 550 000 bis 580 000 zu erwarten. Der Zuschuss der Stadt sei mit 550 000 Euro für 2015 und danach mit 500 000 festgeschrieben. Nachdem im laufenden Jahr schon Eintrittspreise erhöht und Öffnungszeiten gekürzt wurden, sieht Meier bei diesen "Stellschrauben" keine zusätzlichen Möglichkeiten.

Trotzdem neue Pläne

Badeeinnahmen decken nach SV-Angaben rund 35 Prozent der Gesamtkosten ab. Dabei verweist Meier darauf, dass das Defizit pro Besucher im Schätzlerbad derzeit nur 3,86 Euro betrage - "gegenüber den deutschlandweiten Werten von 6,80 bis 10 Euro". Um die Zukunft sicherzustellen, suchen die Verantwortlichen nach Alternativen. Ein Hilferuf geht auch an potenzielle Sponsoren. Auch mit einem weiteren Ausbau, zum Beispiel einer Wasserrutsche oder einem Sprungturm, könne man die Attraktivität des Bades und auch die Einnahmesituation verbessern. Und: "Wir brauchen Einnahmen über die Badesaison hinaus, das Gelände sollte zu einem Ganzjahresareal ertüchtigt werden." Deshalb kommt am Ende des Gutachtens der Vorschlag: "Neubau eines Hallenbades, als Ersatz für das fast marode Realschulhallenbad." Doch dies sei momentan nur ein Traum.
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