Hoeneß-Porträt im zweiten Anlauf
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Thilo Komma-Pöllath. Bild: hfz/Hans-Rudolf Schulz
Weiden. (fku) Neulich war er wieder im Stadion. Bei einer Partie des FC Bayern saß Uli Hoeneß zum ersten Mal seit Langem wieder auf der Tribüne. Es war zwar nur eine Begegnung im Nachwuchsbereich. Aber es zeichnet sich doch ab: Der Mann, der so lange für den bedeutendsten Fußballverein des Landes stand, will zurück in die Normalität. Wobei freilich die Frage bleibt, wie normal das Leben dieses Machtmenschen mit dem Schein des Wohltäters auch vor seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung war.

Glaubt man Thilo Komma-Pöllath , waren da schon lange erstaunliche Brüche in der Biografie des ehemaligen Bayern-Präsidenten. Komma-Pöllath, Absolvent des Augustinus-Gymnasiums und heute Journalist und Autor in München, hat sich über mehrere Monate der Person Hoeneß gewidmet. Herausgekommen ist ein Manuskript für ein Buch, das offenbar einige heikle Stellen enthält (wir berichteten). Denn eigentlich hätte es schon im Herbst erscheinen sollen. Kurzfristig habe der Verlag aber abgesagt - "mit Verweis auf das sehr kritische Potenzial des Buches", berichtet Komma-Pöllath, der seine journalistische Ausbildung bei Radio Ramasuri absolvierte.

Es dauerte, bis der 43-Jährige einen neuen Verlag fand, "der keine Angst vor großen Tieren hat". Das ist anscheinend der CBX-Verlag, bei dem "Die Akte Hoeneß" (19,95 Euro) am 13. März erscheint. Einen Vorteil hat der verspätete Termin immerhin. Er ist gleichzeitig der Jahrestag des Urteils im Prozess gegen Hoeneß.

Wobei Komma-Pöllath laut eigener Ankündigung auf den 272 Seiten längst nicht nur den Steuerfall behandelt. Vielmehr gehe es ihm darum, ein umfassendes Bild einer Person zu zeichnen, das so gar nicht zu dem Image passen will, das Hoeneß zumindest lange Zeit in der Öffentlichkeit hatte. Er sei eben nicht nur der Wohltäter und das Vorbild, das viele in ihm sahen. Sondern er leide unter Realitätsverlust, sei ein falscher Moralist, Machtmensch, Raubtierkapitalist, Narzisst.

Zu diesem Schluss kommt Komma-Pöllath nach Gesprächen mit vielen Weggefährten des Ex-Präsidenten, darunter auch dessen Sohn Florian Hoeneß . Und nach dem Studium von Dokumenten, die bislang unveröffentlicht waren und einen neuen Blick auf den Machtapparat des FC Bayern erlaubten. Wie der aussieht, wird Komma-Pöllath auch bei einer Lesung Ende März, Anfang April in Weiden erläutern.
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