HPZ Irchenrieth: 22-Jähriger soll Schwerstbehinderte missbraucht haben
Bewohner wegen Vergewaltigung angeklagt

Vor der 1. Strafkammer steht seit Mittwoch ein 22-Jähriger. Ihm wird vorgeworfen, im Pflegeheim des Heilpädagogischen Zentrums in Irchenrieth (Landkreis Neustadt/WN) eine schwerstbehinderte Mitbewohnerin vergewaltigt zu haben. Der Prozess ist auf drei Verhandlungstage angelegt, das Urteil soll am 1. Juni gesprochen werden. Der 22-jährige, nur leicht Lernbehinderte lebte in einer Wohngruppe des HPZ, sitzt aber seit seiner Überführung in Untersuchungshaft.

Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf wirft dem jungen Mann vor, in mindestens einer Nacht im Mai oder Juni 2014 in das Zimmer der 54-Jährigen eingedrungen zu sein. Dann habe er mit ihr Geschlechtsverkehr ausgeübt - gegen den Willen der Frau. Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass dies für den Angeklagten erkennbar gewesen sei, selbst wenn die 54-Jährige seit einer Hirnhautentzündung im Säuglingsalter schwerst geistig behindert ist und sich nicht äußern kann.

Am Mittwoch hörte das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold neun Pflegekräfte des HPZ, die von ihrer Ratlosigkeit berichteten, als es keine medizinische Erklärung für die morgendlichen Blutungen gab. Es hatte einige Monate gedauert, bis das Personal dem jungen Mann auf die Schliche kam. Nach Blutungen im Mai 2014 war man mit der Frau erst beim Hausarzt, dann beim Gynäkologen und schließlich auch beim Urologen vorstellig geworden. Die Mediziner konnten nichts finden. Um Gewalteinwirkung durch Dritte auszuschließen, schlossen die Pfleger ab August nachts die Zimmertür der Bewohnerin ab. Die Blutungen hörten auf, traten aber bei zwei Gelegenheiten Ende August und im Oktober wieder auf - in Nächten, in denen die Tür offen geblieben war. Schließlich installierte man eine Überwachungskamera und ertappte den 22-Jährigen in Unterhosen vor der Zimmertür.

Zweiter Vorwurf

Nach einem Verständigungsgespräch legte der 22-Jährige über seinen Verteidiger Tobias Konze ein Geständnis ab. Darüber konnte auch das Gericht froh sein: "Es lässt sich darüber streiten, ob die Angaben aus der Vernehmung bei der Polizei so ohne weiteres verwertbar gewesen wären", so Landgerichtspräsident Walter Leupold. Im Gegenzug kündigte er eine Strafe zwischen 4 Jahre 9 Monate und 5 Jahre 3 Monate an. Damit fahre der 22-Jährige noch gut: "Es hat hier auch schon über zehn Jahre für Vergewaltigung gegeben."

Am Freitag stehen noch Aussagen des Kripobeamten sowie des psychiatrischen Gutachters aus, der den Angeklagten auf seine Schuldfähigkeit untersucht hat. Ein Psychologe berichtete am Mittwoch bereits, dass der Angeklagte einen Durchschnitts-IQ hat, wenn auch an der unteren Grenze. Es liege keine Minderbegabung vor, er gehe auch nicht von verminderter Steuerungsfähigkeit aus.
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