Hubert Wolf nutzt die Geschichte der Kirche zum Plädoyer für Reformen
Mit der Kraft der Tradition

bp04krypta_bild.jpg
Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf ist tief hinabgestiegen in die Geschichtsarchive der katholischen Kirche. Das, was er von dort zutage fördert, bietet Sprengkraft. Nicht, weil er darauf hinweist, dass es auch Zeiten gab in denen der Bischof von allen gewählt und nicht von Rom bestimmt worden ist. Sondern weil der Professor an der Katholischen Theologischen Fakultät der Universität Münster in seinem neuen Buch "Krypta. Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte", davon ausgeht, "dass alle Ausprägungen der Kirche, ihrer Institutionen, Ämter und Lehren, die im Lauf von zweitausend Jahren Kirchengeschichte entwickelt haben, als Reservoir von Ideen für eine heutige Reform der Kirche in Betracht" kommen. So gesehen, wären die Traditionalisten die wahren Reformen.

Wolf weiß, wovon er spricht. Er wertete in den 1990er-Jahren die päpstliche Geheimarchive in Rom aus und wurde so bekannt. Nun fordert der Münsteraner, die Fundamente der Kirche wieder freizulegen. "Ziel ist es zu zeigen, wie sich die Kirche entwickelte und wie sie auf gesellschaftliche Herausforderungen reagierte und sich veränderte". Dadurch, so verspricht Wolf, würden "neue alte Möglichkeiten in Erinnerung gerufen, was dazu beitragen kann, die heutigen Reformdiskussion auf der Basis der ganzen Breite der kirchlichen Tradition zu führen". Sein Buch ist ein Beitrag dazu.

___

Wolf, Hubert: Krypta. Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte, Beck-Verlag 2015. 231 Seiten, 19,95 Euro
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.