Hühnersuppe mit Stäbchen

Robert Winderl (von rechts) mit seinen Kolleginnen Liu Yan und Luan Shijie. Acht Wochen war der Lehrer mit der Delegation unterwegs. Bild: wsb

Was tun, wenn man für acht Wochen sieben Chinesen zu Gast hat? Vor dieser Frage stand Seminarlehrer Robert Winderl. Normalerweise kümmert er sich an der Europa-Berufsschule um den deutschen Lehrer-Nachwuchs. Seit zwei Monaten ist es ein wenig anders.

Sechs "Elitelehrer" - also Lehrkräfte mit fünf Jahren Berufspraxis - aus Shanghai und ein Dolmetscher waren für rund zwei Monate an der Berufsschule (wir berichteten). Heute werden sie aus Weiden verabschiedet. Zuvor schauten sie sich an, wie hierzulande "handlungsorientierter Unterricht" läuft. Wie also Berufsschüler nicht nur Theorie lernen, sondern sich auch an fachliche Probleme machen, Strategien und Lösungen dafür finden müssen. Aber weil Unterricht nunmal nicht 24 Stunden läuft, organisierte Winderl ein Begleitprogramm für die Gäste. Er war mit ihnen schon bei einem bayerischen Kochkurs, in Weltenburg, Wien, hat sie zu sich nach Hause eingeladen. Oder sie waren im Chinarestaurant, wobei die Gäste bestellten, damit die Deutschen nicht immer Ente süß-sauer ordern. Winderl aß dann eine Hühnersuppe - mit Stäbchen. "War hervorragend."

Herr Winderl, wie müssten wir Sie jetzt auf Chinesisch begrüßen?

Robert Winderl: Ni hao.

Können Sie das buchstabieren?

Winderl: Schwierig. Ich schaff's gerade noch, es auszusprechen. Unsere Gäste haben mir auch die Schriftzeichen für meinen Namen gezeigt. Mit Anleitung geht's, aber sonst. Wir haben ja einen Dolmetscher dabei, der Deutsch kann. Und manche von ihnen sprechen Englisch - Gott sei Dank nicht perfekt, so dass ich mit meinem Englisch auch mithalten kann. Außerdem: Je später der Abend, umso einfacher ist das mit dem Kommunizieren geworden, da geht es dann auch mal mit ein paar Sprachbrocken, Mimik und Gestik.

Sie haben ein Programm für acht Wochen zusammengestellt. Sind Ihnen da nicht irgendwann die Ideen ausgegangen.

Winderl: Ich habe bei vielen Freunden und Bekannten rumgefragt. Mein Kaminkehrermeister zum Beispiel hat mir einen Tipp gegeben. Und dann sind wir in die Kaminkehrerschule nach Mühlbach gefahren. Das ist bei Dietfurt, die haben da eh ein Faible für Chinesen ...

... der berühmte Chinesenfasching in Dietfurt ...

Winderl: ... genau. Und deswegen hat uns die Bürgermeisterin gleich noch ins Rathaus eingeladen. So hat sich das alles immer wieder ergeben. Die Oberpfalz hat eh so viel zu bieten. Allein die Landschaft. Unsere Gäste kommen ja aus einer Großstadt, die schätzen das. Als wir mal zur Walhalla durch den Herbstwald hochgelaufen sind - da haben sie einfach die gelben Blätter bewundert.

Welche Programmpunkte sind denn am besten angekommen?

Winderl: Mehrere. Zum Beispiel, als sie an der Schule Brezen selber produziert haben. Oder die privaten Einladungen. Da waren dann bei uns zu Hause zwei Frauen in der Küche und haben Bananenmilch gemacht, und die anderen haben im Wohnzimmer Lebkuchen gegessen. Wenn man da sagt, man fühlt sich fast heimisch, dann war das schon sehr schön.

Waren Sie eigentlich selbst schon mal in China?

Winderl: Noch nicht. Normalerweise reisen wir nach Spanien oder London oder wo man halt schnell hinkommt. Aber nachdem wir unsere Gäste jetzt kennen- und schätzen gelernt haben, haben meine Frau und ich beschlossen: Wenn möglich, werden wir sie bald besuchen.

Sehen Sie nach den acht Wochen die Oberpfalz mit anderen Augen?

Winderl: Natürlich. Ich habe Dinge gesehen, die ich vorher nie wissentlich wahrgenommen habe. Und ich habe mir Sachen angeschaut, bei denen ich vorher immer gedacht habe: Das mache ich vielleicht mal in zehn Jahren, das steht dann noch immer da. Ich hatte Zeit, das mit unseren chinesischen Gästen zu genießen und habe gesehen, wie schön's bei uns wirklich ist.
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