Hürdenlauf für fairen Handel

Die Bevölkerung muss für den fairen Handel stärker sensibilisiert werden. Darin waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: (von links) Martina Troidl von der Katholischen Jugendstelle Weiden, Ulrich Frey, Vorsitzender des Vereins "Solidarität in der einen Welt", Diözesansekretär Markus Nickl, Dr. Bernhard Bleyer, Leiter OTH-Institut für Nachhaltigkeit in Technik und Wirtschaft, und Präses Armin J. Spießl. Bild: sbü

Längst haben auch die großen Lebensmittelkonzerne den fairen Handel entdeckt. Ob sie aber im Sinne der Erfinder dieser Bewegung agieren, steht nicht fest. Wie heikel das Thema ist, zeigte sich bei der Veranstaltung des Kreisverbands der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

(sbü) Gerechte Preise und Löhne für Produzenten und Arbeitnehmer, Einhaltung von Sozialstandards und Verbot der Kinderarbeit. Das sind nur einige der Dinge, zu denen der faire Handel in den ärmeren Ländern beitragen soll. Soweit waren sich die Diskussionsteilnehmer bei der Veranstaltung des KAB-Kreisverbandes Weiden einig. Sie stand unter dem Titel: "Faire Zukunft - gerecht gestalten." Es war die zweite Veranstaltung im Zuge der 3. Weidener Sozialtage.

"Als Christen stehen wir in der Verantwortung für die gerechte Entwicklung in der Welt." Mit diesen Worten begrüßte KAB-Kreisvorsitzender Hermann Stadler die Gäste. Mit dem fairen Handel sollen "bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzenten und Arbeitnehmer insbesondere in den Ländern des Südens" gewährleistet werden. Dieses Ziel steht in einem Grundlagenpapier von vier internationalen Dachorganisationen des fairen Handels. Dann kamen die Diskussionsteilnehmer zu Wort.

Ulrich Frey, Vorsitzender des 1983 gegründeten Vereins "Solidarität in der einen Welt", kümmert sich um 13 sogenannte Weltläden in Bayern. Dort begann der Verkauf von Produkten des fairen Handels. Einen Laden gibt es auch in Weiden. "Weltläden haben sich zwischenzeitlich zu Fachgeschäften entwickelt", berichtete er. Und die großen Supermärkte seien aufgesprungen. Im vergangenen Jahr habe es einen Umsatzsprung im fairen Handel von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben. "Dem Bananenbauer ist es egal, wo seine Bananen verkauft werden", meinte Frey. Er bedauerte allerdings den zwischenzeitlich entstandenen "Dschungel von Labels, der zum Wald wurde".

Aus Sicht des Wissenschaftlers beleuchtete Dr. Bernhard Bleyer, Leiter des Instituts für Nachhaltigkeit und Technik an der OTH in Weiden, das Thema des Abends. Auch aus seiner Auslandserfahrung heraus empfahl er, "weniger unsere Sicht, sondern die Wünsche der Betroffenen" zu berücksichtigen. Näherinnen in Bangladesch sehen medizinische Versorgung am Arbeitsplatz und Möglichkeiten der Kinderbetreuung als wichtiger an als Lohnerhöhungen. Bleyer stellte auch fest: "Es gibt 400 verschiedene Siegel im Lebensmittelbereich, aber keines für normale Haushaltsprodukte."

Die Einführung eines Textilsiegels, wie es Entwicklungsminister Gerd Müller anstrebe, sei schwer umsetzbar. Bleyer erläuterte dies am Beispiel von Bangladesch, dem weltweit zweitgrößten Textil- und Bekleidungsproduzenten. "Von 5000 Produzenten arbeiten 1000 mit den großen deutschen Handelsgesellschaften zusammen." Bei Großaufträgen würden Subunternehmen eingeschaltet, "die in den Hinterhöfen enden". Er beobachte auch "eine steigende Verantwortung der Konzerne für Gesundheitsvorsorge". "Reputationsrisiken" befürchteten die Chefs börsennotierter Unternehmen laut einer Befragung, wenn sie sich nicht um Sozialstandards in den Lieferländern kümmern: "Mit Smartphones kann heutzutage alles entdeckt und verbreitet werden."

Martina Troidl von der Katholischen Jugendstelle Weiden beobachtet, dass Jugendliche aus Verbänden öfters "Fairhandel-Produkte" kaufen. Sie plädierte auch für eine Imageverbesserung dieser Produkte. Diözesansekretär Markus Nickl moderierte die Veranstaltung.
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