"Ich glaube, Weiden braucht uns"

Stephan Brunner. Bild: Hartl
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
02.09.2015
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Zehn Jahre macht er jetzt Theater in der Stadt. Für Stephan Brunner ("Schauspielweiden") sind das zehn Jahre außergewöhnliche Orte. Zehn Jahre Kampf, Hoffnung, aber auch einiges Selbstbewusstsein. Und ein guter Grund, auch heuer weiterzumachen.

Es ist ja nicht so, dass Stephan Brunner keine anderen Markenzeichen hätte. Da wären vor allem natürlich die meist ausgefallenen Spielorte in der Stadt, zuletzt die frühere Augustinus-Kirche, an denen er sein "Schauspielweiden" Jahr für Jahr auftauchen lässt. Da wäre, ganz allgemein, dieses besondere, dieses einmalige Theater, das er für seine Truppe reklamiert. Dummerweise begleitet da aber noch ein anderes Leitmotiv sein Schaffen: der ewige Kampf ums Geld, der ihn auch jetzt, nachdem er seit zehn Jahren Theater in Weiden produziert, umtreibt.

In "Blaugold" zu "Blaubart"

Aber stimmt schon, zu so einer runden Jahreszahl sollte eigentlich anderes im Vordergrund stehen. Und davon gibt es ja einiges, seit Brunner 2005 begann. Die Schauspielschule Leipzig hat er da schon absolviert und auch ein paar unkonkrete Ideen, wie es denn wäre, in seiner Geburtsstadt Weiden etwas auf die Beine zu stellen. Der Anstoß kam dann aber von einem anderen: Der Musiker Klaus Luther sprach Brunner im Lokal "Blaugold" an. Von da war es nicht mehr weit zu "Blaubart", dem ersten Stück, das die beiden 2006 mit ihrem gerade gegründeten "neues theater weiden" in der Tiefgarage des Hotels "Admira" zeigten.

Freilich, lange hielt das Ganze nicht. Nach der nächsten Produktion, ein Jahr später in den Räumen der Commerzbank, kam es zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden. Trotzdem sei er Luther dankbar für das, was er angestoßen habe, sagt Brunner heute. Denn er selbst machte ja weiter. Nun unter dem Namen "Schauspielweiden". "Weil ich merkte: Es funktioniert."

Tat es auch, mal mehr, mal weniger einfach. Weniger zum Beispiel bei "Die Präsidentinnen", im Februar 2012 im Josefshaus. Fürchterlich kalt war's. Sie mussten den Zuschauern Decken bringen, holten sich selbst Erkältungen. Und dennoch - es sei halt was Einmaliges gewesen, sagt Brunner. So wie Aufführungen an Stätten, die es so gar nicht mehr gibt. In einer inzwischen umgebauten Halle von Witt. Im jetzt ehemaligen ehemaligen Hertie mit "Pizza Man" 2013. Oder eben die bisher größte Produktion vergangenes Jahr in der früheren Augustiner-Kirche mit "Henry/Georg/Krieg".

Heuer beim Kunstverein

Heuer - zur zehnten Produktion - soll's eine Nummer kleiner und weniger ausgefallen werden. Stand jetzt wird es im November in den Räumen des Kunstvereins, dessen Vorsitzender Wolfgang Herzer "ein Freund von uns" ist, eine Boulevard-Komödie für drei Personen geben. Und dazu eine Fotoausstellung zum Jubiläum. Nach möglichst vielen Vorführungen könnte das Stück dann auf Gastspielreise in andere Städte geschickt werden.

Wohlgemerkt: könnte. Denn da kommt nunmal wieder das Geld ins Spiel. Ob die Finanzierung wirklich für drei Schauspieler reicht, sei noch nicht ganz sicher. Erst braucht es noch ein wenig von diesem alljährlichen Hoffen, Bitten, Fragen bei mal treuen, mal wankelmütigen Sponsoren. Ein Kampf, immer noch. Dabei "gibt es uns schon länger als das Landestheater", wie Brunner sagt. Apropos: Solch feste Finanzierungszusagen wie das LTO oder andere sie haben, das wäre auch das, was sich der 48-Jährige nicht erst zum Jubiläum wünscht. Eine gesicherte städtische Förderung - in Spar-Zeiten sicher schwer umsetzbar, aber eben ein Traum Brunners. Sein "Schauspiel" wäre dann so etwas wie eine feste Institution, die auch mehr als bislang anbieten könnte. "Wie sexy wär' es denn, wenn eine Stadt wie Weiden ein eigenes Theater hätte."

Es wird wohl trotzdem erst einmal ein Traum bleiben - und Brunner sich weiter die Beine ausreißen müssen. "Manchmal ist es so anstrengend, dass ich alles in die Ecke hauen könnte." Klingt frustriert. Ganz so schlimm ist es aber nicht. Brunner, der mit seiner Familie in der Nähe von Ravensburg lebt, denkt jedenfalls nicht ans Aufhören. Schließlich werde er in Weiden immer wieder darauf angesprochen, wann denn endlich das nächste Stück komme. Außerdem habe sich inzwischen ein informeller Unterstützerkreis gebildet.

Noch viele Ideen

Und vor allem: "Es gibt noch genügend Schauspieler, es gibt noch genügend Stücke, es gibt noch genügend Orte. Das einzige, was es nicht genügend gibt, ist Geld." Aber, nach zehn Jahren dürfte sich gezeigt haben - es gibt wohl auch noch immer genügend Wege, diese Klippe zu umschiffen. Das genügende Selbstvertrauen bringt Brunner jedenfalls ebenfalls mit: "Ich glaube, Weiden braucht uns."
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