Ignaz Netzer bringt bei "Klein & Kunst" den Blues in die Max-Reger Halle
Wie aus dem Mississippi-Delta

Ganz ernst meint es Ignaz Netzer dann doch nicht mit der Aussage, dass die Blues-Musik aus dem Allgäu käme. Aber Netzer tut zumindest einiges dafür, dass man dieser Verwechslung erliegen könnte. Der gebürtige Wangener interpretiert, ja zelebriert, den Blues nämlich so als wäre er das ureigenste, was sich einem deutschen Musiker förmlich aufdrängt. In der "Klein & Kunst"-Reihe in der Max-Reger-Halle gab Netzer am Donnerstagabend seine Visitenkarte mit dem Programm "Nix als the Blues" auch in der Oberpfalz ab.

Es braucht nicht viel, damit Netzer Musik in der Tradition afroamerikanischer Rhythmen auf die Bühne bringt: Zwei Gitarren im Wechsel, zwei Mikros und eine Stimme, die auch jedem Vertreter des historischen Mississippi-Delta-Blues zur Ehre gereicht hätte. Wer ihn nicht auch mit seinem schwäbischen Dialekt reden hört, könnte meinen, Netzer käme direkt von dort. Dass der Auftritt in Weiden zu einem durchschlagenden Erfolg wird, liegt zudem am trockenen Humor des Künstlers, den er nicht nur einmal unter Beweis stellt.

Es sind bekannte Blues-Klassiker, aber auch Eigenkompositionen Netzers, die im Mittelpunkt des Programms stehen. "Corrina, Corrina" ist so ein Klassiker, den der Blues-Musiker auf eine beeindruckende Weise präsentiert. Dann ist da noch das selbst geschriebene "How long must this story go on", das von einem Freund handelt, der sehr viel könne, aber eine Sache leider nicht: Er kommt nicht von seiner Rotwein-Flasche weg. Und Gershwins "Summertime" aus "Porgy and Bess" verleiht Netzer mit seiner Interpretation eine neue, tiefere Dramatik.

Robert Johnson, Kris Kristofferson und auch CCR mit "The Midnight Special" gehören zum Repertoire des Künstlers, der von einer Schweizer Zeitung einmal als "weißester Schwarzer Deutschlands" charakterisiert wurde. Dem Publikum gefällt's, der Applaus belegt es eindrucksvoll. Der Verzicht Netzers auf überflüssigen technischen Schnickschnack kommt bestens an, auch sein Griff zur Mundharmonika bei "If the River was Whiskey" begeistert.

Dass auch Deutschland zum Blues inspirieren kann, beweist Netzer mit der Eigenkomposition "Brown Monkeys": Nach einer Begegnung mit drei Neonazis entsteht dieses Werk über solche Menschen, die ihre Probleme mit "Fäusten und Messern" lösen. "Füttert diese Affen nicht!", appelliert Netzer in formvollendeter Blues-Manier.

Keine Scheu zeigt Netzer vor Gospels - und beweist, dass es dafür keine Kirche und keinen Chor braucht. "Die Menschen aus Mississippi behaupten, wer dabei nicht mitsingt, kommt auch nicht in den Himmel", schickt er voraus. Das Weidener Publikum zieht die Konsequenzen daraus - und singt fleißig mit.
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