"Ihr Fisch schmeckt mir nicht"

Stadtkämmerin Cornelia Taubmann. Bild: Huber

Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Denkste. Vielmehr flammt der Streit zwischen Stadtkämmerin und CSU wieder auf: Fraktionschef Wolfgang Pausch hatte Cornelia Taubmann bei seiner Aschermittwoch-Rede ins Visier genommen. Die Kämmerin reagierte und sagte ihre Teilnahme am CSU-Fischessen ab.

Die Stadtkämmerin macht ihrem Ärger Luft: in einem Brief an den CSU-Wahlkreisvorsitzenden, Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht, der am Donnerstag zum traditionellen Fischessen einlud. Am 9. Februar hatte sie zugesagt und sich noch für die Einladung bedankt. Zehn Tage später ist es aus mit der Freundschaft. Denn am Aschermittwoch schrieb ihr CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch die Rolle der Puppenspielerin zu, an deren Fäden der Oberbürgermeister "wie Jim Knopf" hänge. Auch bei der SPD ziehe sie die Strippen. Das ist der Stadtkämmerin doch zu viel. Am Donnerstag, kurz vor dem CSU-Fischessen, gibt sie Rupprecht einen Korb. Sie habe sich entschlossen, seiner Veranstaltung fernzubleiben.

Sie begründet ihren Schritt. Als langjährige Fraktionsvorsitzende in Kreistag und Stadtrat und Stellvertreterin des Landrates des Landkreises Kulmbach seien ihr die Gepflogenheiten des Politischen Aschermittwochs bekannt. "Für eine geschärfte Betrachtung von städtischen Ereignissen habe ich deshalb durchaus Verständnis, wenn dies der politischen Auseinandersetzung dient."

Anders sei dies "mit der ständigen Hinwendung" von Wolfgang Pausch an die Stadtverwaltung. Wenn Pausch den Oberbürgermeister meine, dann solle er dies so sagen. "Welche Aufgaben ich in dieser Stadt auf Anweisung meines Chefs übernehme (und im Ergebnis überzeugend löse) sollte in der politischen Auseinandersetzung dagegen außen vor sein."

Durch Mehrheitsentscheidung des Stadtrates sei der Neubau der FOS/BOS am OTH-Campus im Zuge einer Partnerschaft mit der Wirtschaft zu einem bayernweiten Vorzeigeprojekt entwickelt worden. "In Rekordzeit und mit Kosteneinsparungen und - weil ich wusste, wie es geht."

Die Haushaltskonsolidierung habe Vorrang und unter anderem mit ihrer Hilfe der Stadt sechs Millionen Euro eingebracht. "Oder hat Herr Pausch dazu irgendetwas persönlich, aber unbemerkt, beigetragen?" Der Verkauf der Parkhäuser - auf Beschluss des Stadtrates, nach Initiative des OB und mit ihrer Begleitung als Teil dieser Konsolidierung habe dazu geführt, dass die Allee-Tiefgarage endlich saniert werden könne. "Herr Pausch ist (auch hier) einen Lösungsvorschlag schuldig geblieben."

Sie schulde der Stadt ihren vollen Einsatz, und zwar ressortübergreifend. "Wer nicht will, dass Projekte gelingen, weil sie am Ende in das Guthabenkonto des amtierenden OB münden, muss es machen wie Pausch: Statt Lösungen zu bieten, auf die zeigen, die das können."

"So leid es mir tut, sehr geehrter Herr Rupprecht, Ihr Fisch schmeckt mir nicht. Lieber genieße ich den Donnerstagabend mit Hans Sigl. Der ist ein Mann mit Lösungen, wenn auch nur in einer Fernsehserie."

Der Brief im Wortlaut
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