"Ihr seid Vorbilder"

Teilnehmer aus 11 Nationen erwarben das B1-Sprachzertifikat bei der Volkshochschule. Es soll "der Anfang zur beruflichen Integration in Deutschland" werden, wünschten VHS-Geschäftsführer Stefan Frischholz und Bereichsleiter Leonhard Dietrich (hinterste Reihe, von rechts) sowie Bereichsleiter Harald Krämer (hinterste Reihe, links) den Absolventen des sechsmonatigen Integrationslehrgangs. Bild: Bühner

Seit vielen Jahren gibt es schon die Intensivkurse für Neuzuwanderer und Ausländer bei der Weidener Volkshochschule. Die meisten Teilnehmer sind Asylbewerber. Die Flüchtlingswelle rückt diese Maßnahmen in ein neues öffentliche Interesse. Die Abschlussfeier macht deutlich: Es besteht dringender Handlungsbedarf.

(sbü) "Wir haben selten so fleißige und gute Schüler in unseren Integrationskursen gehabt, wie ihr es gewesen seid", lobte Fachbereichsleiter Harald Krämer die 26 Absolventen von zwei Deutsch-Aufbaukursen der Volkshochschule Weiden bei der Abschlussfeier. Und Krämer ergänzte: "Ihr seid Vorbild für andere." Alle Lehrgangsteilnehmer, die den Deutsch-Test für Zuwanderer bestanden hatten, bekamen das "B1-Zertifikat" überreicht.

Gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, hatten Männer und Frauen aus 11 Herkunftsländern während eines halben Jahres an fünf Tagen in der Woche Deutsch-Unterricht absolviert - insgesamt rund 600 Stunden lang. Die Lehrkräfte Susanne Weimann und Beata Markiewicz waren die Ausbilder, Tatjana Unglaub betreute die Kurse vonseiten der Verwaltung der VHS. "Die Teilnehmer wachsen uns ans Herz, der Abschied fällt schwer", erklärten die beiden übereinstimmend.

"B2" empfohlen

Beste Wünsche für die weitere Zukunft gaben den Absolventen auch VHS-Geschäftsführer Stefan Frischholz und Fachbereichsleiter Leonhard Dietrich mit auf den Weg. Sie wiesen allerdings auch darauf hin, dass das "B1-Zertifikat" für eine Ausbildung für qualifizierte Berufstätigkeiten, zum Beispiel am Klinikum in Weiden, nicht ausreiche. Fördermöglichkeiten auch für das "B2-Zertifikat" gebe es unter anderem in Form von "Bildungsgutscheinen für berufsspezifische Sprachqualifizierung" von Arbeitsagentur oder Job-Center. Allerdings müssten dabei im Einzelfall die individuellen Voraussetzungen erfüllt werden. Auch die Otto-Beneke-Stiftung könne eventuell Hilfestellung leisten.

Als dann den 26 Absolventen die Frage gestellt wurde "Wer von Ihnen hat schon einen Arbeitsplatz?", hob sich zuerst keine Hand. Schließlich meldete sich noch eine Teilnehmerin: "Täglich" warte sie auf eine Zusage für eine Tätigkeit als Physiotherapeutin. Einige der Absolventen üben Minijobs aus. Und sie berichteten auch, dass sich in ihren Reihen zwei Tierärzte und eine Krankenschwester befänden. "Vielleicht kann auch einmal ein Arbeitgeber das B2-Zertifikat finanzieren", schlug VHS-Bereichsleiter Krämer vor. Alle Lehrgangsteilnehmer hätten schließlich eine sichere "Bleibeperspektive". Mit Stolz wiesen die VHS-Vertreter darauf hin, dass die syrischen Absolventen dieses Lehrgangs freiwillig und ehrenamtlich als Dolmetscher in den Erstaufnahme-Einrichtungen tätig seien.

Nächster Kurs am 28. 9.

Die nächsten Integrationskurse beginnen am 28. September und am 5. Oktober. Die VHS Weiden führt auch zahlreiche andere Sprachkurse für Asylbewerber durch. Dazu zählen die Erstorientierungskurse in Deutsch für Asylbewerber, bei denen die VHS Koordinierungsstelle für die gesamte Oberpfalz sei. Daneben Deutsch-Kurse für Berufsschulklassen mit minderjährigen Flüchtlingen.

"Wir haben auch Alphabetisierungskurse und andere Einzelprojekte zur sprachlichen Integration von Asylbewerbern beantragt", ergänzte Dietrich. "Aber dabei müssten viele Hürden überwunden werden." Als Abschiedsgeschenk erhielten die Absolventen das von der Bundesregierung herausgegebene Buch "25 Jahre Freiheit und Einheit".
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