Im Auftrag des Groß-Dealers

Die Zollfahnder hatten mal wieder den richtigen Riecher. Auf der A 6 hielten sie den Wagen einer 50-Jährigen an. Im Kofferraum tauchten mehr als vier Kilo Marihuana auf. Jetzt stand die Frau aus Franken vor Gericht.

Eigentlich war es reine Routine. Bei einer "verdachtsunabhängigen Kontrolle" auf der Bundesautobahn A 6 winkten die Zollfahnder eine aus Tschechien kommende 50-Jährige mit ihrem Wagen heraus. Geladen hatte sie über vier Kilo Marihuana. Das Rauschgift war für den Nürnberger Raum bestimmt und "professionell" im Kofferraum des VW Fox verbaut, wie ein Zollhauptsekretär berichtete. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung nahe Ansbach fanden die Beamten weitere 310 Gramm "Gras" sowie Drogenutensilien und Kleinmengen Methamphetamin.

Auftraggeber in Haft

Die verwitwete Mutter dreier Kinder gestand den Rauschgiftschmuggel und den Besitz, allerdings mit der Einschränkung, dass sie nur im Auftrag eines Groß-Dealers gehandelt habe. Diesen wolle sie nicht benennen, denn sie wolle ja "noch länger leben". Die Auswertung der Mobiltelefone und Aussagen aus ihrem Familien- und Freundesumfeld führten zu Ermittlungen der Weidener Staatsanwaltschaft gegen einen gewissen Ali T.. Dieser wurde inzwischen festgenommen und sitzt in U-Haft.

Dass es Hintermänner gegeben hatte und die Hausfrau nicht auf eigene Rechnung gedealt habe, ergebe sich aus den Gesamtumständen und aus der Tatsache, dass sie selbst erheblich drogenabhängig ist, sagte Landgerichtspräsident Walter Leupold in der Verhandlung vor der 1. großen Strafkammer am Dienstag. Dr. Bernd Schwarze (Rechtsmedizinische Abteilung der Universität Erlangen) hatte aus den Haarproben der Frau regelmäßigen Konsum von Crystal und Cannabis nachgewiesen. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder empfahl eine stationäre Drogentherapie von zwei Jahren Dauer.

Wegen Rauschgifteinfuhr und Beihilfe zum Handeltreiben verurteilten Leupold, Richter Markus Fillinger und die Schöffen gemäß dem Antrag ihres Verteidigers Jürgen Lubojanski (Nürnberg) die Angeklagte zu fünfeinhalb Jahren. Staatsanwalt Rene Doppelbauer hatte ein Vierteljahr mehr gefordert. Da die Verurteilte seit August in U-Haft sitzt, kann sie demnächst auf Therapie gehen und wird - falls diese erfolgreich verläuft - nach zwei Jahren auf Bewährung entlassen.
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