Im Beisein von Kindern Crystal geschmuggelt - Mutter steuert Auto unter Drogeneinfluss
Familienvater muss hinter Gitter

Einen Vater von sechs Kindern schickte Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Im Beisein seiner Frau und zweier seiner Kinder hatte der 34-Jährige Ende November mit dem Auto knapp 30 Gramm Crystal aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelt. Seine fast gleichaltrige Ehefrau war die Fahrerin des Nissan und stand dabei unter Drogeneinfluss.

Vergebliches Versteckspiel

Als Beamte der Polizeiinspektion Waldsassen das Fahrzeug und die Insassen kontrollierten, fiel ihnen auf, dass der Mittelfranke einige Druckverschluss-Tütchen mit kristallinem Inhalt verschwinden lassen wollte. In seiner Unterhose fanden die Polizisten schließlich noch weitere Päckchen. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht gaben beide Angeklagten die Tat zu. Ein Drittel der geschmuggelten Menge sei für den Eigenkonsum gedacht gewesen. Der Rest hätte verkauft werden sollen. Schulden und eigene Abhängigkeit gab der Mann als Motiv an.

Staatsanwältin Susanne Pamler hielt ihm zugute, dass er sozial eingeordnet lebt. Sein Arbeitgeber hatte ihm sogar bescheinigt, dass das Arbeitsverhältnis nicht gekündigt sei, sondern nur ruhe. Man würde sich wegen der guten Leistungen des Mannes freuen, wenn er bald wieder zur Verfügung stünde.

Allerdings wies die Anklägerin auf neun Vorstrafen - von Sachbeschädigung über Körperverletzung bis zu Drogendelikten - hin und beantragte drei Jahre und zehn Monate. Rechtsanwalt Michael Spengler (Nürnberg) sah das Geständnis als zu wenig gewürdigt an. Außerdem möge man berücksichtigen, dass die Tat doch aus gewissem Suchtdruck begangen worden sei. Obwohl Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder keinen Hang attestiert und volle Schuldfähigkeit festgestellt hatte. Spengler hätte zwei Jahre und zehn Monate für ausreichend erachtet.

Nach Haftbesuch erwischt

Für die 33-jährige Ehefrau beantragte Staatsanwältin Pamler 22 Monate zur Bewährung sowie 500 Euro Geldbuße und zwei Monate Fahrverbot. Die Frau war nach der Tat noch einmal mit Crystal im Blut erwischt worden. Ausgerechnet, nachdem sie ihren Mann in der Untersuchungshaft in Weiden besucht hatte. Ihr Verteidiger Tobias Schmidt (Nürnberg) plädierte auf 18 Monate. Heindl und die Schöffen urteilten "in der Mitte": 20 Monate auf Bewährung sowie 500 Euro und Fahrverbot.
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