Im Verbund für Asylbewerber

Alle Beteiligten versprechen sich durch den Kooperationsvertrag über die Beschulung berufsschulpflichtiger Flüchtlinge nur Vorteile bei der Ausbildung und Integration der jungen Asylbewerber. Unterschieben haben (von links) die Schulleiter Josef Weilhammer und Anton Dobmayer sowie Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Landrat Andreas Meier. Bild: sbü

Das Thema junge Flüchtlinge schafft etwas, was nicht selbstverständlich ist: Die Stadt Weiden und der Landkreis Neustadt/WN bilden eine Einheit. Sie arbeiten zusammen beim Berufsschulbesuch von jungen Asylbewerbern. Das soll Modellcharakter haben. Vier Beteiligte schlossen deshalb einen Vertrag.

(sbü) "Wir wollen Synergieeffekte nutzen und bei der Unterrichtung von jungen Asylbewerbern gemeinsam handeln", sagte Josef Weilhammer, Leiter der Europa-Berufsschule Weiden, bei der Begrüßung der Teilnehmer der Vertragsunterzeichnung. Die Sachaufwandsträger Stadt Weiden und Landkreis Neustadt/WN sowie das berufliche Schulzentrum Neustadt und die Europa-Berufsschule Weiden gründeten einen Beschulungsverbund für berufsschulpflichtige Asylbewerber. Dieser tritt ab dem Schuljahr 2015/2016 in Kraft und ist auf unbestimmte Zeit abgeschlossen.

Die Unterschrift leisteten in den Räumen der Europa-Berufsschule Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Landrat Andreas Meier und die Schulleiter Anton Dobmayer und Josef Weilhammer. Die Parteien versprechen sich durch die Zusammenarbeit zahlreiche Vorteile für die Beschulung, Betreuung und Integration der jungen Asylbewerber.

Während die Europa-Berufsschule schwerpunktmäßig auf die Fachrichtungen Elektro-, Metall- und Holztechnik, Ernährung, Körperpflege und Wirtschaftswissenschaften ausgerichtet ist, bringt das Berufliche Schulzentrum Neustadt/WN seine Kompetenzen aus den Bereichen Soziales und Landwirtschaft mit ein. "Für alle Beteiligten entsteht so eine klassische Win-win-Situation und vor allem ein Mehrwert für die Gesellschaft", sagte Meier. Damit könne auch ein wichtiger Integrationsbeitrag für junge Flüchtlinge geleistet werden, "denn Integration ist die Voraussetzung für die gesellschaftliche Akzeptanz der neuen Mitbürger", ergänzte der Landrat.

Künftige Fachkräfte

OB Seggewiß lobte diese Zusammenarbeit, weil "die unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge voraussichtlich auf lange Zeit bei uns bleiben und so auch ein kleiner Beitrag gegen den Fachkräftemangel geleistet werden kann". Dass mit den vorhandenen Ressourcen jetzt mehr geschafft werden könne, betonte Dobmayer. Die Einzelheiten der Zusammenarbeit erläuterten dann die beiden Schulleiter.

Zunächst werden alle neu aufzunehmenden jungen Asylbewerber beider Gebietskörperschaften erfasst. Zu Beginn des Schuljahres gibt es gemeinsam einen Einstufungstest. "So können wir internationale Förderklassen (IF-Klassen) mit annähernd gleichem Sprachniveau bilden." Auch andere soziale Merkmale wie Herkunft oder Gruppenzugehörigkeit können besser berücksichtigt werden.

Geplant ist, an der Europa-Berufsschule bis zu drei Eingangsklassen, am Beruflichen Schulzentrum bis zu zwei Eingangsklassen zu bilden. Die Gesamtorganisation der IF-Klassen übernimmt an beiden Schulorten Koordinator Manfred Wichmann von der Europa-Berufsschule. Er ist Ansprechpartner und kümmert sich in Absprache mit den Schulleitungen zum Beispiel um die Zusammenarbeit mit den Lehrern, um Fördermaßnahmen, Stundenpläne, Informationsveranstaltungen. Partner des Beschulungsverbunds sind die Bildungsträger Volkshochschule und Kolping-Bildungswerk. Beide verfügen über viel Erfahrung in der Betreuung von Asylbewerbern. "Ihr Engagement für Asylbewerber ist hervorragend", lobte Schulleiter Weilhammer die Einrichtungen. Er dankte auch OB Seggewiß, "dass die Stadt Weiden mit der Bereitstellung des Nachbargebäudes das Raumproblem für den Unterricht der jungen Asylbewerber rasch gelöst hat".

"Es tut sich was hier"

Auch an die Adresse von neun Firmen, die Ausbildungsverhältnisse für junge Flüchtlinge abgeschlossen haben, richtete Weilhammer seinen Dank: "Es tut sich was in der Region", sagte er stolz. Und Arbeitsagenturchef Andreas Staible lobte die hohe Motivation und den starken Integrationswillen der jugendlichen Asylbewerber.
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