Im Zweifel Realschule

Die Lobkowitz-Realschule Neustadt erwartet im September viele Neuzugänge. Bild: Hartl

Drei Gymnasien gewinnen Fünftklässler dazu, zwei verlieren Anfänger im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen verbucht nur eine Realschule ein Minus. Woran das liegt? Eine sattelfeste Analyse der Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr trauen sich selbst Mathematiklehrer nicht zu.

Auffallend ist, dass "Kepler" und "Elly Heuss" beim Übertritt das Rennen gemacht haben. Das "Augustinus", vergangenes Jahr noch Champion bei den Neuzugängen, sackt von 119 auf 82 Anmeldungen ab. Schulleiter Helmut Matejka bricht deshalb nicht in Wehklagen aus: "Wir rätseln jedes Jahr über den Zahlen. Heuer sind wir wieder auf unserem normalen Niveau, letztes Jahr war ein absoluter Ausreißer nach oben."

Dafür zeigt der Pfeil beim "Elly" in die Höhe, freut sich Studiendirektor Friedrich Wölfl. Das Mädchengymnasium besuchen im September 79 Fünftklässlerinnen, 14 mehr als 2014/15. "Alles im Bereich der normalen Schwankungen", spart sich Wölfl allzu viel Euphorie. Zufrieden ist auch Georg Singer. Der stellvertretende Schulleiter des Kepler-Gymnasiums erwartet im September 113 Fünftklässler nach zuletzt 95. Daraus entstehen vier normale Eingangsklassen und eine mit 15 hochbegabten Mädchen und Buben.

Alle Lehrer sind sich einig, dass die Schwankungen mit Freundeskreisen zu tun haben, die sich unter Kindern und Eltern während der Grundschulzeit gebildet haben. Geht der eine dorthin, wollen die Kumpels oder die Freundinnen auch auf diese Schule.

Noch kein G-9-Effekt

Fast unverändert bleibt die Zahl der Neuen am Gymnasium Neustadt. 73 Fünftklässler fangen heuer an, letztes Jahr waren es 70. Insider hatten mit mehr gerechnet, da Neustadt als Pilotschule mit der "Mittelstufe Plus" de facto einen G-9-Zweig anbietet. Schulleiter Dr. Anton Hochberger ist indes froh, das Niveau gehalten zu haben. Viele der Anfänger kämen wegen des musischen Zweigs. "Der hat sich fast verdoppelt." Einen Großteil der zehn- und elfjährigen Klientel nimmt Hochberger die Lobkowitz-Realschule einige Meter weiter unterhalb am Felixberg weg. Von den 72 Grundschülern, die nach der vierten Klasse kommen, haben zirka 40 einen Notenschnitt von 2,33 oder besser. Das würde locker fürs Gymnasium reichen.

Diesen Trend spürt auch Peter Schobert vom Gymnasium Eschenbach. Er verbucht 81 Anmeldungen, ein Rückgang um 16 Kinder. "Man gewinnt den Eindruck, dass sich immer mehr Eltern für die Realschule entscheiden." Unter anderem hätten sie Angst, ihrem Kind auf der höheren Schule nicht mehr helfen zu können. Viele Lehrer vermuten zudem, dass die andauernde Reformeritis am Gymnasium abschreckt.

Auch die Entfernung zum Schulort spielt eine Rolle, ist Dr. Andreas Meier überzeugt. Der Chef der Realschule Vohenstrauß rechnet wieder mit zirka 70 Kindern aus der Grundschule, einem kleinen Plus. "Wir sind für den Landkreis-Osten einfach näher. Viele Eltern und Kinder wollen nicht eine Stunde bis Weiden unterwegs sein, selbst wenn es die Noten möglich machen würden." German Helgert von der Realschule Kemnath kalkuliert bei einem leichten Rückgang mit stattlichen 150 Neuzugängen. Der Standort macht's: ein Einzugsgebiet aus drei Landkreisen und kein Gymnasium am Ort.

Weniger Mädchen

Die Hans-Scholl-Realschule in Weiden braucht nach 82 Anfängern diesmal Platz für rund 100. "Recht erklären kann ich es nicht, ich denke, dass unser Schulprofil interessant ist", sagt Leiter Dr. Michael Meier. Er glaubt, dass in den kommenden Jahren die "Mittelstufe Plus" am Gymnasium auch auf seine Schule durchschlagen wird.

Meiers Kollegin Susanne Genser von der Sophie-Scholl-Realschule wird eine fünfte Klassen weniger bilden müssen, weil sich nur mehr rund 70 Mädchen angesagt haben (Vorjahr: 93). "Ich habe aber damit gerechnet." Gensers Bildungsstätte genießt nicht den Vorteil der Landschulen, dass Eltern um das Gymnasium öfter einen Bogen machen oder ihren Kindern lange Busfahrzeiten ersparen wollen. Überdies hat die Pädagogin seit Jahren die demografische Entwicklung im Blick: "Wie es scheint, gibt es im Übertrittsjahrgang diesmal einfach weniger Mädchen als Jungs."
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