Image besonders wichtig

Sie haben nicht einmal einen Autobahnanschluss. Trotzdem fühlen sich die Chamer wohl. "Wieso?" fragte Fraktionsvorsitzender Christian Deglmann. Was ist geschehen, dass Cham heute zu den Regionen mit der höchsten Lebensqualität zählt? Antworten auf diese Fragen sollte die Bürgermeisterin von Cham, Karin Bucher, geben.

Eingeladen von der Fraktion der Bürgerliste, von Freien Wählern und FDP äußerte sich die Kommunalpolitikerin zu einer Reihe von Themen. Womit wir wieder bei der Autobahn wären. Trotz ihres Fehlens sagte Bucher: "Unsere Stärke ist die zentrale Lage im Landkreis. Wir sind sehr gut erschlossen." Fast alle Einrichtungen der Infrastruktur des Landkreises seien in Cham angesiedelt. "Wir haben zwei Gymnasien, zwei Realschulen, BOS, FOS und einen Technologie-Campus als Zweigstelle der Hochschule in Deggendorf", zählt die Bürgermeisterin auf.

Was aber die 17 000-Einwohner-Stadt wirklich stark mache, sind über 14 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, die Hälfte davon Einpendler. Das sei für die Größe der Stadt schon eine stolze Zahl. Arbeitslosigkeit: Kein großes Problem. "Eher im Gegenteil. In bestimmten Branchen finden wir nicht ausreichend qualifizierte Arbeitsplätze." Ein Netzwerkmanager solle nun zwischen Campus und Wirtschaft vermitteln, um Fachkräfte in Cham zu halten.

Die Gewerbestruktur ist stabil. Es habe nie eine Konzentration auf eine Branche gegeben, sondern immer eine gute Mischung aus Produktion, Handel und Dienstleistung, sagte Bucher. Deswegen sei man recht krisenfest, auch in Bezug auf die Steuereinnahmen. Und die Schuldenlast liegt nur bei sechs Millionen Euro.

Nicht frei von Problemen

Ganz ohne Probleme ist auch Cham nicht. Zum Beispiel beim Handel mit Blick auf das Internet. Vor allem aber die Einkaufsstandorte, schon vor Jahren an der Peripherie entstanden, hätten Betriebe abgezogen. Allerdings gebe es inzwischen Initiativen, die verhindern sollen, dass die Innenstadt ausblutet. Der Handel insgesamt profitiere zum Beispiel von einem Verein, der vor drei Jahren gegründet worden sei: "Cham erleben e.V. ist ein Zusammenschluss aus Stadt und Einzelhandelsunternehmen, Privatleuten und Grundstücksbesitzern." Man wolle die Stadt Cham als Gesamtheit vermarkten.

Beispielsweise wird auch überregional Werbung betrieben. Mit Plakaten und im Radio versucht sich Cham als Einkaufsstadt auch im weiteren Umkreis attraktiv darzustellen. Zu verkaufsoffenen Sonntagen gebe es Begleitveranstaltungen. "Zum Beispiel ziehen wir im Frühjahr mit Auto, Mode und mehr 20 000 Leute in die Stadt", sagte die Bürgermeisterin.

Sehr gut sei auch die neue Weihnachtsdekoration angekommen: Große Kugeln an einzelnen Straßenkreuzungen anstatt der klassischen Girlanden. "Das Feedback war sehr positiv." Außerdem habe man einen Geschenkgutschein entwickelt, der nicht für ein einzelnes Geschäft, sondern bei allen Partnern gelte. Flankierend versucht Cham, Attraktionen abseits des Einkaufserlebnisses zu entwickeln, damit Familien auch von weiter kämen, und dann auch Geld in Cham ließen. "Das ist die einzige Chance, gegenüber den größeren Städten zu punkten." Durch Aktionen wie das Musikfestival locke man aber nicht nur Besucher an, sondern arbeite auch am Image der Stadt. Das habe eine große Bedeutung - auch für hochqualifizierte Arbeitsplätze. Hinzu kämen günstige Grundstückspreise.
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