Immer mehr Beschäftigte aus Tschechien arbeiten im bayerisch-böhmischen Grenzland
Grenzraum wächst zusammen

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(sbü) Entgegen vieler Prognosen: Der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt wird zur Realität. Die meisten tschechischen Arbeitnehmer sind Grenzpendler. Doch mit zunehmender Entfernung zur Grenze sinkt die Zahl der tschechischen Arbeitnehmer rapide.

Am 30. Juni des vergangenen Jahres waren in der Oberpfalz 6121 tschechische Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Zwei Jahre zuvor waren es 4369, fast 29 Prozent weniger. Die neueste Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt auch: Schwerpunktmäßig arbeiten tschechische Arbeitnehmer in den unmittelbaren Grenzbezirken.

Je weiter, desto weniger

Im Kreis Cham liegt der Anteil an allen Arbeitnehmern mit 4,9 Prozent schon knapp unter der 5-Prozent-Grenze. Auch im Landkreis Tirschenreuth sind 4,3 Prozent aller Arbeitnehmer tschechische Staatsangehörige. Je weiter weg die deutsch-tschechische Grenze liegt, desto niedriger ist der Anteil tschechischer Beschäftigter. So kommt zum Beispiel die Stadt Regensburg nur auf 0,3 Prozent oder der Kreis Amberg-Sulzbach auf 0,4 Prozent. Die Entwicklung einer stark zunehmenden Zahl tschechischer Arbeitnehmer im unmittelbaren Grenzraum begann schlagartig mit dem Wegfall der Zugangsbeschränkung für den deutschen Arbeitsmarkt. "Seit dem Jahr 2011 dreht die Kurve ganz stark nach oben", sagt Thomas Würdinger, Chef der Arbeitsagentur Weiden. Noch vor vier Jahren wurden im Bezirk Weiden gerade einmal 630 tschechische Arbeitnehmer gezählt, jetzt sind es schon fast 2100.

Typisches Beispiel für einen Oberpfälzer Betrieb mit zahlreichen tschechischen Mitarbeitern ist das Backhaus Kutzer in Konnersreuth (Kreis Tirschenreuth). Seniorchef Robert Kutzer lobt "das handwerkliche Geschick tschechischer Mitarbeiter". Er beschäftigt knapp 40 tschechische Staatsangehörige, rund zehn Prozent des gesamten Personals. Besonders betont Juniorchef Patrick Kutzer, dass darunter auch ein Meister sei.

Abschlüsse anerkennen

Weiteren Bedarf an tschechischen Fachkräften sieht auch Ludwig Rechenmacher von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Er bemüht sich deshalb um Fortschritte bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Um mehr tschechische Berufsschulabsolventen an den deutschen Arbeitsmarkt heranzuführen, haben Agentur für Arbeit, Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz enge Kontakte zur Berufsfachschule Pilsen geknüpft. In einem ersten Schritt wurden vier tschechische Berufsfachschüler des Bereichs Bäcker und Konditoren zu einem vierwöchigen Praktikum im Stammsitz des Backhauses Kutzer in Konnersreuth eingeladen. "Das soll nur der Anfang sein, ich hoffe dass weitere Berufe folgen", sagt Kreishandwerksmeister Karl Arnold.
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