In aller Munde

Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben.

Die Dicksten in Europa sind wir schon. Aber es kommt noch dicker.

Nur das Austauschen eines einzigen Wortes kann das Beratungsgespräch des Doktors mit dem Patienten in eine komplett andere Richtung verändern. "Essen ist für viele Lust und Genuss. Wohingegen wir Ernährung eher mit Gesundheit in Verbindung bringen", verwies Dr. Thomas H. Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, beim Ernährungs-Tag in seinem Haus auf eine Umfrage hin. Diese Auswirkung müsse er bei jedem Gespräch beachten.

Mit diesem Einstieg hatte der Mediziner die Leitfrage seines Referats - "Warum essen wir anders, als wir uns ernähren sollten?" - zum Teil beantwortet. Grundsätzlich seien bei der Definition des Ernährungszustandes jedes einzelnen Menschen die drei Punkte Body-Mass-Index, Alter und Bauchumfang entscheidend. Bei Frauen sollte der Bauchumfang unter 88 Zentimeter liegen, bei Männern unter 102. "Das schaffe ich aber auch nicht", gab Egginger zu. Dieser Wert sei wichtig, da Fett am Bauch überhaupt nicht gut sei. "Die Hüften sind nicht so das Problem", schränkte er ein.

Der Ärztliche Direktor blickte zudem auf einen unrühmlichen ersten Platz Deutschlands im Jahr 2007 zurück: dickste Nation Europas. "Da haben wir es endlich geschafft. Seitdem wechseln wir uns immer mit England ab." Aber das Problem der Fettleibigkeit (Adipositas) breite sich immer weiter aus. "Auf uns rollt ein Adipositas-Tsunami zu." In naher Zukunft seien über 50 Prozent der Weltbevölkerung direkt betroffen.

Dies zu stoppen, sei schwierig. Denn obwohl sich das Wissen enorm vergrößert habe, gebe es immer mehr ernährungsbedingte Krankheiten. Auf der Suche nach Erklärungen blickte der Experte auf die Jahre vor 1950 zurück. Damals sei die Nahrungszubereitung vom Mangel bestimmt gewesen. "Mittlerweile leben wir aber wie im Schlaraffenland. Es gibt alles im Überfluss." Die Beziehung zu Lebensmitteln habe sich somit stark verändert. Dies gehe einher mit dem Verlust der ursprünglichen Herkunft ("Kinder wissen nicht mehr, dass die Milch von Kühen kommt") und dem Verlust gefühlsmäßiger Beziehungen (Auflösung der häuslichen Tischgemeinschaft).

Als Lösungsansatz nannte Egginger die "bewusst flexible Kontrolle des Essverhaltens". Er riet Menschen, die abnehmen wollen, ein Tagebuch zu führen (Wann esse ich was und wo) und sich Zwischenziele zu setzen. "Auch ein Kilo im Monat ist ein Erfolg." Zudem sei es sinnvoll, mit gesättigtem Magen einkaufen zu gehen und sich während der Mahlzeit nur mit dem Essen zu beschäftigen. Ein weiterer Punkt: der Sport. Dazu zähle neben Wandern und Radfahren auch Gymnastik. "Das ist schon im Sitzen möglich und hilft." Eindringlich verwies der Fachmann darauf, dass auf dem Teller auch etwas liegen bleiben dürfe. "Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um zu leben", ermutigte Egginger die Zuhörer zur gesunden Ernährung.
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