In die Marktnischen gestoßen

Der Anlagenbauer Lukas und Glas Schöninger haben Gemeinsamkeiten: Sie sind Mittelständler, Familienunternehmen und am Markt sehr erfolgreich. Warum das so ist, erzählten Werner Lukas und Til Schöninger beim Wirtschaftsclub Nordoberpfalz.

Weiden. (cf) "Das Geld ist für uns nicht mehr am Markt zu verdienen, sondern nur im Betrieb." Til Schöninger (42), Geschäftsführer und Hauptgesellschafter von Glas Schöninger, setzt angesichts eines enormen Preiskampfes in der Branche auf eine höchst effiziente, ausgetüftelte Fertigung. Fast vier Millionen Euro investierte das 1895 gegründete Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren in modernste Produktionstechnik und -prozesse.

Als goldrichtig erwies sich die 2010 installierte Fertigungslinie im Stammwerk im Industriegebiet Am Forst. Die 80 Meter lange "Straße" (sie läuft übers Eck, was es weltweit nur drei Mal gibt) erlaubt auch 3-fach-Isolierungen, die heute mehr als 60 Prozent der Produktion ausmachen. Schöninger sprach von einem "Siegeszug". Das zweite Standbein von Schöninger bildet das Einscheiben-Sicherheits-Glas (ESG). Es wird vorwiegend im Innenausbau und Interieur-Bereich, z. B. bei Ganzglas-Duschen, eingesetzt. Täglich verlassen 1000 bis 1200 Isoliergläser - sie werden aus 2,7 mal 5 Meter großen Scheiben geschnitten - und rund 200 Quadratmeter Einscheiben-Sicherheits-Glas das Weidener Werk.

Bald Schöninger 3.0

Die Automatisierung drückt den sogenannten Verschnitt "gegen Null". Scanner sorgen für die Qualitätskontrolle. "Nach Schöninger 2.0 arbeiten wir bereits an 3.0", meinte Til Schöninger mit Blick auf intelligente Vernetzung und Digitalisierung. 80 Beschäftigte fertigen in zwei Schichten. Es gilt ein Jahresarbeitszeitmodell. Nach Material und Personal stellt die Energie den drittgrößten Kostenfaktor dar. Die Firma Schöninger ist nicht von der EEG-Umlage befreit.

Ausdrücklich lobte Schöninger den Betriebsrat, mit dem er sehr gut zusammenarbeite. "Der Betriebsrat ist kein Schreckgespenst. Ich bin froh, dass es ihn gibt." Es trete kaum Fluktuation in dem jungen Mitarbeiterteam auf, das annähernd 10 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. Nachdem bei der Gewinnung von Auszubildenden die klassischen Wege ins Leere laufen, geht Schöninger über den zweiten Bildungsweg, Betriebspraktika und bietet sogar eine zweite Berufsausbildung an.

Während Schöninger seine Kunden fast ausschließlich im Umkreis von 200 Kilometern bedient, operiert Lukas Anlagenbau aus Vohenstrauß international. Die Hauptkunden für die Spezialdrähte in der Luft- und Raumfahrt sowie Hochfrequenz- und Satellitentechnik sitzen vor allem in China, Indien, Frankreich, Italien und in den USA. Lukas konzentrierte sich hier auf eine Marktnische. In Albersrieth ist die Wasserkrafttechnik angesiedelt: mit Rechenreinigungs-Anlagen und Hochwasser-Klappen sowohl für Fluß- als auch für Stauseekraftwerke (wir berichteten).
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