In Zukunft investieren

Am Ende der Sitzung waren sie alle ganz positiv gestimmt. Auch SJR-Chef Tobias Reichelt (links) und sein Führungsteam, dem nun auch Stefan Fuchs (mittlere Reihe auf der Treppe, links) angehört. Arno Speiser (Zweiter von links) stellte in der Vollversammlung die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus vor, Herbert Schmid (rechts daneben) das Programm "Demokratie leben", zu dem auch ein Jugendforum zählt. Bild: Gammanick

Können sich auch künftig vier Hauptamtliche um das Juz kümmern? Die Jugendring-Spitze leistete zuletzt harte Überzeugungsarbeit. Und die erweist sich als überraschend erfolgreich.

Draußen 12 Grad plus. Doch drinnen im Juz-Saal kamen schon mal süße Weihnachtsgefühle auf. Bitte zugreifen: Für die Delegierten des Stadtjugendrings (SJR) standen am Dienstagabend Teller mit Spekulatius, Dominosteinen und Lebkuchensternen bereit. Dazu bescherte Vorsitzender Tobias Reichelt Ehrengäste, Unterstützer und Vorstandsmitglieder mit Ferrero-Küsschen. Im Gegenzug hatten aber auch die politischen Gäste Geschenke zur Vollversammlung mitgebracht: überraschend positive Signale hinsichtlich der vierten Sozialpädagogen-Stelle im Jugendzentrum. Wegen der Finanzprobleme der Stadt steht sie seit Monaten im Feuer (wir berichteten).

Keine schwere Entscheidung

Reichelt legte sich dafür aber auch mächtig ins Zeug. Er verwies auf die aufwendige Gesamtkonzeption der Jugendarbeit, die der SJR erarbeitet hatte und nun den Bedarf von sogar 4,6 Stellen im Juz belege. Die Entscheidung für vier Stellen wäre eigentlich nicht schwierig, meinte der Vorsitzende: "Denn wir investieren damit in die Betreuung der Jugendlichen der Stadt und, mit Verlaub gesagt, somit in unser aller Zukunft." Es gehe um lediglich 50.000 Euro - "0,03 Prozent des Jahresumsatzes der Stadt oder 0,29 Prozent des Jugendhilfe-Etats".

Zu den herausragenden Veranstaltungen des ablaufenden Jahres zählte Reichelt neben dem Kinderbürgerfest unter anderem auch den seit Jahren erfolgreichen "Dance Your Style"-Contest. "Leider wissen wir noch nicht, ob die personellen Ressourcen vorhanden sind, um ihn auch im nächsten Jahr durchzuführen." Einstimmig votierten die 36 anwesenden Delegierten für den Entwurf des Grundlagenvertrags, in dem die vierte Stelle verankert ist.

Ob das auch die Stadt unterschreiben will? Am Donnerstag, 19. November, befindet zunächst der Kinder- und Jugendhilfeausschuss darüber. OB Kurt Seggewiß schilderte ihn als das entscheidende Gremium. Und zeigte sich gewiss: "Er wird den Bedarf für vier Stellen festlegen." Für die SPD-Fraktion sprach Stadtrat Florian Graf, selbst einer der Hauptamtlichen im Juz. Die Stadträte müssten jetzt wesentlich grundlegendere Entscheidungen treffen als die über das Einsparen des "relativ minimalen Betrags" von 50.000 Euro, sagte er. Auch Hans Blum (CSU) warnte vor Einschnitten in der Jugendarbeit. Er sei sich sicher, "dass ich eine bedeutende Mehrheit in unserer Fraktion überzeugen kann". Die drei Grünen im Stadtrat seien bereits überzeugt, erklärte Veit Wagner. Nicht zuletzt, weil nun die Arbeit auch mit jungen Flüchtlingen zunehme. Einzig Reinhard Meier (Bürgerliste) äußerte Skepsis: "Es wird schwierig." Jugendamtsleiterin Bärbel Otto lobte ein gelungenes Gesamtkonzept zur Jugendarbeit und wollte Reichelt dafür gerne die beiden "Fleißbildchen" zugestehen, die er augenzwinkernd eingefordert hatte.

Jugendpfleger Ewald Zenger, den der SJR-Chef als unverzichtbar für den Jugendring schilderte, stellte den Haushalt 2016 vor. Er hat ein Volumen von 393.800 Euro. Einstimmig wurde Stefan Fuchs von der Jugend der Schützengesellschaft Alpenrose in den Vorstand gewählt. Viel Lob - nicht zuletzt von OB Seggewiß und Reichelt - gab es für die Sozialpädagoginnen Julia Zimmermann und Theresa Sowa, die ihre Juz-Gruppe nach dem Zugunglück bei Freihungsand vorbildlich betreut hätten. Mehrere Redner äußerten sich erleichtert, dass den jungen Leuten nicht mehr passiert ist. Vielleicht auch eine Art vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.
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