Informationsveranstaltung zum Welttag der Darmerkrankungen im Weidener Klikum
Symptome frühzeitig erkennen

Es waren fast schon medizinische Vorlesungen, die detailliert über chronische Darmentzündungen informierten. Referenten waren die Experten der Medizinischen Klinik I (von links): Chefarzt Professor Dr. Frank Kullmann, Leitende Oberärztin Dr. Sonja Pampuch und Geschäftsführender Oberarzt Dr. Jörg Schedel. Bild: sbü

Drei Millionen Menschen sind in Europa von chronisch entzündlichen Darmkrankheiten betroffen. Bei den Ursachen tappt die Medizin noch weitgehend im Dunkeln. Nur Risikofaktoren sind bekannt. Doch es gibt zahlreiche Hilfestellungen - auch am Klinikum.

(sbü) Der "Welttag der Darmerkrankungen" war auch am Weidener Klinikum Anlass für eine Informationsveranstaltung im Zuge der bundesweiten Aktion der Gastro-Liga. Das Interesse der Besucher war groß, die Cafeteria voll besetzt. Themen waren die Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Drei Ärzte der Medizinischen Klinik I erläuterten viele Details dieser Krankheiten.

Die wichtigste Botschaft, die von allen drei Experten - Chefarzt Professor Dr. Frank Kullmann, Leitende Oberärztin Sonja Pampuch und Geschäftsführender Oberarzt Dr. Jörg Schedel - vermittelt wurde: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser kann dem Betroffenen geholfen werden. Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind "fortschreitende Erkrankungen", hieß es. Je später sie entdeckt würden, desto stärker hätte sich die Krankheit im Körper ausgedehnt.

Schubweises Auftreten

Kernsymptome seien Bauchschmerzen und häufig auftretende Durchfälle, die manchmal auch Blut enthalten würden. Häufig kämen die Krankheiten in Schüben. Auch viele andere Körperorgane wie zum Beispiel Haut, Augen, Mund, Gelenke, Niere oder Gallenblase könnten betroffen sein. Manchmal erfolge die Diagnose auch auf dem Weg über Gelenkprobleme oder schwerwiegende Hautveränderungen.

"Wir können diese Patienten nicht heilen. Die Krankheit wird sie zeitlebens begleiten", erklärten die Mediziner unisono. Aber eine Eindämmung sei möglich, um die Lebensqualität wieder zu steigern und die psychosozialen Auswirkungen zu mildern. In einer repräsentativen Befragung Betroffener erklärten 53 Prozent, dass sie über ihre Krankheit nicht reden könnten, 21 Prozent fühlen sich diskriminiert. Auch das Invaliditätsrisiko sei außerordentlich hoch. Zudem müsse befürchtet werden, dass sich die Krankheitszahlen weiter erhöhen.

Einen alleinigen Auslöser gebe es nicht, klärten die Experten auf. Fehler des Immunsystems, genetische Veranlagung, Infekte, Umweltfaktoren, fehlende Hygiene und häufig auch das Rauchen seien mögliche Ursachen. Ziel der Behandlung müsse es sein, schwerwiegende Komplikationen wie zum Beispiel Fisteln oder Verengungen im Enddarm zu verhindern - und damit auch Operationen.

Ausführlich informierten die Referenten über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Darmentzündungen. Sie erklärten körperliche Untersuchungen, Blutbild und Stuhldiagnostik ebenso wie Darmspiegelung (Endoskopie), Röntgen, Ultraschall, Computertomographie, Magnetresonanztomographie (MRT) und Gewebeentnahmen. Sogar eine Videokapsel, die geschluckt wird und stundenlang zwei Bilder pro Sekunde aus dem Körper überträgt, wurde als Diagnosemöglichkeit vorgestellt.

Im Mittelpunkt der Behandlung stehen die medikamentösen Therapien, vor allem mit Cortison, trotz seiner vielen Nebenwirkungen. Schmerzmedikamente, sogenannte Supportiva, wurden neben Probiotika ebenfalls aufgezählt. Wer wollte, konnte sich eine lange Liste von Namen wie zum Beispiel Mesalazin oder Azathioprin notieren.

Ziel: Schleimhautheilung

Die Therapiestrategie hänge aber immer von der jeweiligen Ausprägung der Krankheit ab. Bei Morbus Crohn trete die Entzündung meist im gesamten Verdauungstrakt auf, bei Colitis Ulcerosa nur im Dickdarm. "Die Schleimhautheilung im Darm und die Senkung des Karzinom-Risikos stehen im Fokus", erklärten die Mediziner. Als Alternativ-Verfahren können ergänzend "Wurmtherapie, Weihrauch und Akupunktur eingesetzt werden".
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.