"Ja, ich kann mithalten"

Alle hatten sie Ängste. Am Ende wagten es die ersten doch, mit ihrem mittleren Schulabschluss in der Tasche ans Augustinus-Gymnasium zu wechseln. Eine Einführungsklasse dort machte sie fit für die Oberstufe. Das ist drei Jahre her. Nun stehen bei den ersten bereits die Abi-Prüfungen an.

Sie machte den besten Realschulabschluss ihres Jahrgangs in Marktredwitz. Ihre Lehrerin redete ihr gut zu. Und trotzdem war Anja Stock mulmig zumute bei dem Gedanken, ans Augustinus-Gymnasium in Weiden zu wechseln, um dort die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben. "Für mich war klar, ich will Abitur machen. Aber auf diesem Weg? Ich hatte Angst", erinnert sich die 18-Jährige. Die erste Einführungsklasse 2012/2013 am "Augustinus" überhaupt, die Schüler mit mittlerem Abschluss auf die Oberstufe des Gymnasiums vorbereitet, besuchte sie schließlich trotzdem. Die Folge: Am 30. April zählt sie zu den ersten Schülern, die auf diesem Weg am "Augustinus" zu den Abitur-Prüfungen antreten werden.

Jederzeit würde sie die Einführungsklasse wieder besuchen, sagt die Q12-Schülerin aus Wiesau in einem Pressegespräch am Dienstag. In der Einführungsklasse werden 16 bis 20 junge Leute von Auerbach bis Vohenstrauß, von Wiesau bis Schwandorf mit mittlerem Schulabschluss in etwa 34 Wochenstunden besonders in den späteren Abi-Fächern wie Deutsch, Mathe und Englisch gefördert, informiert der Leiter des Augustinus-Gymnasiums, Helmut Matejka. Darüber hinaus müsse eine spät beginnende Fremdsprache wie Spanisch stattliche sechs Stunden die Woche gepaukt werden.

"In der Einführungsklasse habe ich gelernt, dass es in der Realschule vor allem darum ging, das Gelernte zu reproduzieren. Hier auf dem Gymnasium muss man mit seinem Wissen arbeiten können", erklärt Stock. Wer sich darauf versteht, wechselt nach der Einführungsklasse in die reguläre Oberstufe und damit in die Q 11.

"In der Q 11 kommen alle zusammen: Gymnasiasten und die Schüler mit mittlerem Schulabschluss", sagt Matejka. Und dann? "Man fühlt sich gleich integriert. Endlich lernt man die ganze Schule kennen und bekommt mit: Ja, ich kann mithalten", sagt Felix Sommer (18). Der Weidener machte an der Hans-Scholl-Realschule seinen Abschluss, wollte wie fast alle auf die FOS gehen, bis er schließlich nach dem Tipp eines Lehrers in die Einführungsklasse ans "Augustinus" und von dort im September in die Q 11 wechselte. Nebenbei erwirbt der Fan der Naturwissenschaften in einer Art Fernstudium an der Uni Bayreuth Scheine in Physik. "Ich hatte ja keine Ahnung, was man alles machen kann", sagt der begeisterte Fußballer. "Genau hier liegt die Stärke des Gymnasiums. Man kann so vieles tun, was einen prägt", betont Matejka. Und das führt wohin? "Ich weiß nicht, was ich mal machen will. Vielleicht Praktika, vielleicht ein Studium. Das Wichtigste ist für mich, dass ich mit dem höchstmöglichen Schulabschluss alle Möglichkeiten habe", sagt Anja Stock.
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