"Jammern hilft nichts"

Noch läuft der Betrieb normal in und um die Mehrzweckhalle. Ab Sonntag wird sich das ändern: Dann entsteht hier die neue Notunterkunft. Bild: Huber

Die Sperrung der Mehrzweckhalle ab Sonntag ist beschlossen - sie wird Notunterkunft für Flüchtlinge. Begeistert ist davon niemand. Aber während die Stadt versucht, die Folgen zu mindern, ist neben skeptischen Tönen von Betroffenen auch viel Verständnis zu hören.

Telefone klingeln ununterbrochen, E-Mail-Eingänge quillen über: Die Nachricht, dass die Mehrzweckhalle (MZH) Notunterkunft für Flüchtlinge werden soll, hält am Montag Stadtverwaltung, betroffene Vereine und Veranstalter auf Trab. Viel Zeit bleibt ihnen allen nicht: Wie Rechts- und Sozialdezernent Hermann Hubmann am Nachmittag bestätigt, wird die Halle ab Sonntag definitiv gesperrt. Mögliche alternative Lösungen bieten sich vorerst offenbar nicht an.

Keine "Clones"?

Das wird Folgen haben. Marco Lorenz, Abteilungsleiter Gebäudemanagement, ist für die Belegung für nicht-sportliche Veranstaltungen in der MZH zuständig. In nächster Zeit wären das unter anderem Firmen- und Hochzeitsfeiern gewesen, "Clones of Rock" oder, Ende Januar, der "Narrhalla"-Lumpenball. Man sei bemüht, Alternativen aufzutun. Das werde aber "sehr schwer". Gerade bei größeren Veranstaltungen werde es wohl Absagen geben müssen. Im sportlichen Bereich müsste sich auch der Medienhaus-Cup eine andere Spielstätte suchen.

Ebenfalls kompliziert ist die Aufgabe von Christian Meiler vom Sportbüro. Er muss sich um Turniere und Training von Vereinen kümmern, aber auch um Schulsport. Letzteres heißt vor allem: um die Wirtschaftsschule, die keine eigene Halle hat. Sie wird - neben den ebenso Betroffenen, Augustinus- und Kepler-Gymnasium sowie Max-Reger-Schule - Priorität bekommen, wenn es darum geht, freie Zeiten in anderen Hallen freizuschaufeln. Gleich danach kämen die Vereine, sagt Meiler. Auch sie werden in andere Hallen ausweichen müssen. Deshalb könne es sein, dass andere auf einen Teil ihrer Trainingszeiten zu verzichten haben.

Er sei aber zuversichtlich, dass es dafür Verständnis gebe. Es müssten eben "alle zusammenrücken". Trotzdem sei klar, dass es vor allem bei größeren Turnieren, die in der MZH geplant waren, zu Schwierigkeiten kommen werde. Im geplanten Umfang werde alles wohl nicht mehr wie bisher möglich sein. Vor allem Hobbytruppen könnten Hallenzeiten verlieren. Definitiv sei aber noch nichts. Es werden diese Woche noch Gespräche mit Betroffenen folgen.

Zu diesen Betroffenen gehört der Turnerbund. Vor allem für die Basketballer und die Badminton-Spieler sei die Sperrung "eine deutliche Härte", sagt Vorsitzender Bernhard Schlicht. Die Abteilungsleiter seien am Rotieren. Und er müsse auf die Solidarität der anderen Vereine hoffen. Aber: "Jammern hilft nichts." Die Stadt und das Sportbüro versuchten ja ihr Bestes, und das Ganze sei nun mal einer Notsituation geschuldet. Die Sperrung könne er deshalb auch "in gewisser Weise nachvollziehen".

Ebenfalls eine Menge Arbeit hat der FC Weiden-Ost. Der Verein muss um Trainingsmöglichkeiten und Hallenturniere bangen, deren Wegfall auch einen "finanziellen Verlust" bedeuten würde, wie Vorsitzender Franz Bäumler erklärt. Ob er deshalb angefressen ist? Bäumler winkt ab. "Es ist einfach so." Man müsse jetzt halt kreativ sein und andere Einnahmequellen finden. Außerdem dürfe niemand vergessen, dass es hier um Menschen gehe, die fliehen mussten. "Die kann man nicht einfach auf der Straße stehen lassen."

"Menschliche Seite" sehen

Ganz ähnlich äußert sich Philipp Kaufmann, Sportvorstand der SpVgg SV. Natürlich sei die Sperrung ärgerlich. Aber man müsse "die menschliche Seite" sehen. Hier gehe es nunmal um eine besondere Situation, um Frauen und Kinder, die ein Dach überm Kopf bräuchten. Und da müsse der Sport manchmal hintenanstehen. Statt zu klagen, könnte ein großer Verein wie die SpVgg SV doch lieber helfen. Kaufmann betont, dies sei seine persönliche Meinung. In der Vorstandschaft würden sie sich in dieser Woche erst noch abstimmen. Und natürlich sei ihm bewusst, dass andere die Maßnahme deutlich skeptischer sehen.

Einer davon ist Vorsitzender Kurt Haas. In einem Schreiben betont er zwar, wie wichtig Verständnis für die Flüchtlinge sei. Aber die Sperrung der MZH, die "durch nichts ersetzt werden" könne, "trifft das sportlich-soziale Leben eines regionalen Oberzentrums ins Mark". Er verstehe, wenn sich Bürger darüber empören. Die Integration der Flüchtlinge könne dies nicht fördern. Haas plädiert deshalb für andere Möglichkeiten der Unterbringung, zumal niemand menschenwürdig in der MZH leben könne.
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