Jeder Schritt macht Herzen fit

"Sportmedizin und der plötzliche Herztod" lautete das Thema beim 27. Medizinischen Forum von Prof. Dr. Robert Schwinger (links). Privatdozent Dr. Christian Stumpf von der Uniklinik Erlangen und Oberärztin Dr. Heike Naser-Schuh von der Med. Klinik II Weiden referierten. Bild: Wirtz-Roegner

Der plötzliche Herztod während oder kurz nach dem Sport passiert zwar selten, dafür aber meist spektakulär "vor laufenden Kameras". Männer trifft es dabei wesentlich häufiger als Frauen. Besonders "Manager im zweiten Frühling" sind gefährdet, weiß Dr. Christian Stumpf.

Weiden. (ir) Wieviel Sport kann man dem intakten Herzen zumuten und wann lauert der plötzliche Herztod in der Arena oder auf der Marathonstrecke? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 27. Medizinischen Forums in der Max-Reger-Halle. "Sportliche Aktivitäten sind absolut empfehlenswert", so Prof. Dr. Robert Schwinger. Unkontrolliert und ohne fachliche Anleitung drohen aber auch Gefahren, lautete schließlich das Fazit der Referenten des Forums, das in Zusammenarbeit mit den Ärztlichen Kreisverbänden Weiden und Schwandorf stattfand.

Ursache: Herzdefekte

Professor Schwinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik II, hatte mit Privatdozent Dr. Christian Stumpf vom Universitätsklinikum Erlangen einen kompetenten Experten gewonnen, der unter anderem die eingangs genannten Erfahrungen schilderte. Häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod sind nach seinen Worten angeborene Herzdefekte. Aber auch entzündliche Erkrankungen spielen eine Rolle. Gefordert seien deshalb Mediziner und Sportler.

Dr. Stumpf plädierte für Sporttauglichkeitsuntersuchungen mit Elektrokardiogramm. Bei älteren oder vorerkrankten Patienten empfahl er außerdem ein Belastungs-EKG, vor allen Dingen auch beim Wiedereinstieg in sportliche Aktivitäten. Die Bewertung des EKG sollte - insbesondere bei Zweifeln - durch einen erfahrenen Sportmediziner erfolgen, da es eine ganze Reihe von "normalen" EKG-Veränderungen bei Sportlern gebe. Hellhörig werden sollten Mediziner, wenn die EKG-Veränderungen nicht durch Sport erklärbar seien. Wichtig sei es jedoch auch, die familiäre Vorgeschichte (Anamnese) des Patienten zu beachten. Der plötzliche Herztod in der Familie könne durchaus auch eine Rolle spielen.

"Wenn man es mit Sportlern zu tun hat, kann es schwierig werden", räumte Dr. Stumpf ein. "Keiner will verzichten." Ein Herzschrittmacherpatient sei seiner Meinung zwar nach "nicht mehr wettkampffähig", aber trotzdem profitierten auch "angeknackste Herzen" von sportlichen Aktivitäten. Er ermunterte die Mediziner: "Animieren und ermöglichen sie Sport." Studien belegten es: Mehr Bewegung im Alltag - nicht bis vor die Tür fahren wollen und Treppe statt Aufzug - bringt gesundheitlichen Nutzen. "Jeder Schritt macht fit", lautete sein Credo. Eine Wunderwaffe sei Sport jedoch nicht, schränkte er ein.

Wenn die Mitralklappe des Herzens nicht mehr funktioniert, stehen Betroffene vor der Frage: Herzoperation oder die Behandlung mit dem MitraClip-System? Oberärztin Dr. Heike Naser-Schuh von der Medizinischen Klinik II erläuterte beide Möglichkeiten ausführlich. Gerade nicht operierbare Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz profitierten vom MitraClip-System, das seit 2003 angewandt werde. Die Wiederherstellung der Mitralklappe mit einem Clip, die mit einem minimalinvasiven Eingriff in der Vene erfolge, habe sich bewährt. Allerdings gelte es, mit einem Fragenkatalog jeden Fall abzuklären. Die Entscheidung sollte möglichst im Team mit den Herzchirurgen erfolgen.

Studien laufen bereits

Für die Behandlung der akuten und chronischen Herzschwäche sah Prof. Schwinger "demnächst hochpotente wirksame Medikamente, die vor der Zulassung stehen". Betablocker hielt er nach wie vor für Goldstandard bei Herzinsuffizienz. Wer von den neuen Medikamenten wirklich profitiere, sei schwer zu beurteilen. Langwierige Untersuchungen und Studien seien jedoch bereits am Laufen.
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