Jetzt die Weichen stellen

Wie Weiden aussehen kann: Darüber diskutieren Simone Schaller von der lokalen Agenda 21 mit Baudezernent Hansjörg Bohm bei der Ausstellungseröffnung "Modellvorhaben im Städtebau". Bild: otj

Der demografische Wandel, die Energiewende und andere Herausforderungen benötigen eine Stadtentwicklung, die auch kreative Wege einschlägt. Wo's dabei lang gehen kann, zeigt nun eine Ausstellung.

"Modellvorhaben im Städtebau" heißt die Ausstellung, die nun im Neuen Rathaus eröffnet wurde. Sie zeigt, wie andere Kommunen die Aufgabe einer vorausschauenden Siedlungspolitik meistern.

Die Ausstellung wurde vom Bayerischen Innenministerium konzipiert, um sie als Wanderausstellung zur Verfügung zu stellen. Dass diese Sammlung beispielhafter Modellvorhaben in Weiden zu besuchen ist, verdankt die Stadt einer gemeinsamen Initiative der Katholischen Erwachsenenbildung, der lokalen Agenda 21 und des Grünen-Stadtrats Veit Wagner.

Rechtssicherheit schaffen

Simone Schaller von der "Lokalen Agenda" machte in ihrer Begrüßung deutlich, wie dringend nötig es sei, jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen. Städtebauliche Planung setze den Rahmen für zukunftsweisende Projekte. "Gute Städteplanung schafft Rechtssicherheit", so Schaller. Wichtig sei aber auch die Beteiligung der Bürger am Planungsprozess. Sie forderte Diskussionen und Transparenz. Alles Bauen sei öffentlich. Innovative Lösungsansätze im Städtebau seien auch weichenstellend für moderne Mobilität. "Carsharing und Bikesharing werden auf Landkreisebene als Modellprojekte getestet. Warum nicht auch in Weiden?"

Auch dem Weidener Städteplaner Hansjörg Bohm ist die Ausstellung "Modellvorhaben im Städtebau" sehr willkommen. "Sie illustriert, wie mit aktuellen Themen im städtebaulichen Maßstab souverän umgegangen werden kann", sagte Bohm. Die Überschriften der präsentierten Leitthemen lauteten demografischer Wandel, Innenentwicklung, Flächen-Recycling, interkommunale Zusammenarbeit, Mitwirkung der Bürger, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.

Zwei Beispiele der Ausstellung betonte Bohm besonders. "Die Moosach-Vorstadt in Freising und NU 21 in Neu-Ulm bewältigen beide eine Doppelaufgabe: nämlich mit der Schienentrasse als städtebauliche Barriere umzugehen und das Quartier jenseits der Bahn für die Gesamtstadtentwicklung zu aktivieren." Die thematische Nähe zu Weiden läge auf der Hand. "Genau das wollen wir mit unserer Rahmenplanung Bahnhof/Bahnstadt." Eine Verbindung von der südlichen Innenstadt mit dem Lerchenfeld solle mit einer Über- oder Unterführung hergestellt werden. Auf dem ehemaligen Bahnbetriebswerk könne man ein ganz neues Quartier andenken. "Durch all dies gewinnt der Bahnhof als zentraler ÖV-Knoten völlig neue Attraktivität und viel größere Bedeutung als heute."

Warum es so still um das Projekt geworden sei, erklärte Bohm auch: "Uns fehlt immer noch der erste Dominostein - die Barrierefreimachung der Bahnsteiganlage." Dazu sei eine Einigung zwischen DB Station & Service sowie Freistaat Bayern nötig. "Dabei geht es um erhebliche Zuschüsse, alleine in Weiden um hohe siebenstellige Euro-Beträge."

Erst dann könne man klären, wie das Ziel realisiert würde. "Als Brücke? Als Tunnel? In welcher Lage? Soll die Bahnsteigerschließung zu einer Stadtteilwegeverbindung ins Lerchenfeld verlängert werden?" Auch Neu-Ulm und Freising hätten lange Vorlaufzeiten gehabt.

Aber diese Bahnkonversion sei nur eine Spielart der modernen Städtebauplanung - wie die Schaffung neuer Urbanität durch Lückenfüllung. "Drei Titel dieser Ausstellung benennen genau dies als Leitthema. Flächenmanagement, Innenentwicklung, Flächenrecycling."

Nachverdichten, Baulücken schließen, städtebauliche Lücken füllen - das bedeute mehr Menschen, mehr Arbeitsplätze, mehr Angebote aller Art auf der selben Stadtfläche. Dadurch würden die Wege zwangsläufig kürzer. Vielleicht so kurz, dass das Auto überflüssig werde. "So schließt sich der Kreis. Kurze Wege schaffen, die wir ohne Sprit zurücklegen können, ist der originäre Beitrag der Stadtplanung zur Energiewende." Das sei sicher nicht das einzige, aber ein wichtiges Rezept gegen den Klimawandel. "Nähe und Dichte sind die authentischen Alias-Namen für Urbanität schlechthin."
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