Jobcenter Weiden-Neustadt will Arbeitslosigkeit bekämpfen
Zweiter Arbeitsmarkt muss her

Die Mitglieder der Trägerversammlung des Jobcenters Weiden-Neustadt sind sich einig: Mit den aktuellen Instrumenten lässt sich die verfestigte Hartz-IV-Arbeitslosigkeit nicht weiter abbauen. Sie sprechen sich deshalb klar für einen zweiten Arbeitsmarkt aus, um den Langzeitarbeitslosen wirksam zu helfen. Bild: sbü

Das Jobcenter Weiden-Neustadt stößt an die Grenze seiner Möglichkeiten, Hartz-IV-Arbeitslosigkeit weiterhin wirksam zu bekämpfen. Wer glaubt, dass Arbeitslosigkeit im SGB2-Bereich durch Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt abgebaut werden könne, verkennt die Realität. Die Trägerversammlung präsentierte jetzt die Jahresbilanz 2014.

(sbü) Arbeitsagentur-Chef Thomas Würdinger, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Landrat Andreas Meier präsentierten in der Trägerversammlung des Jobcenters Weiden-Neustadt das Jahresergebnis für das vergangene Jahr. Die Überschrift könnte lauten: Weitgehende Stagnation in fast allen Bereichen.

27,2 Millionen Euro

Die Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit im Hartz IV-Bereich seien längst vorbei. Das Instrumentarium des Sozialgesetzbuches II, das zum Beispiel in der Stadt Weiden die Arbeitslosenquote bis heute fast halbierte, stößt jetzt an seine Grenzen. Im Pressegespräch wurde dies anhand zahlreicher Beispiele erläutert. Ganz vorne in der Jahresbilanz stehen zunächst die Ausgaben für Leistungen zum Lebensunterhalt sowie für Unterkunft und Heizung der Hartz IV-Empfänger. Sie schlagen in Stadt und Landkreis mit insgesamt 27,2 Millionen Euro zu Buche. Überwiegend wegen der Erhöhung von Leistungssätzen waren dies knapp zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Pflichtleistungen Unterkunfts- und Heizungskosten müssen Landkreis und Stadt jeweils alleine finanzieren. Für die Stadt Weiden waren dies im vergangenen Jahr 7,7 Millionen, für den Landkreis Neustadt/WN 4,6 Millionen Euro.

Was vor allem dem Oberbürgermeister große Sorgen bereitet: Während die Arbeitslosenquote im Bereich der Arbeitslosenversicherung (ALG1) weiter sinkt, kann im Hartz-IV-Bereich bestenfalls von einer Stagnation gesprochen werden. Somit steigt der Anteil der Arbeitslosen des Hartz-IV-Bereichs an der Gesamtarbeitslosigkeit weiter an. "Wir müssen es unbedingt schaffen, diese verkrustete Langzeitarbeitslosigkeit aufzubrechen", fordert Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Er schlägt deswegen auch vor, "die Arbeitsmarktinitiative (AMI) zu überdenken" und will über ihre Neuausrichtung auch mit Landrat Meier sprechen.

Weitere Impulse erwartet Seggewiß von der jetzt beschlossenen Fortsetzung des Projekts Zukunftscoach (Demografie-Konzept) sowie vom Programm "Jugend stärken im Quartier". Weil die Bürgerarbeit am Ende des vergangenen Jahres auslief, fordert Seggewiß: "Wir brauchen Programme." Auf einen geförderten zweiten Arbeitsmarkt könne nicht verzichtet werden. Agenturchef Würdinger bestätigt dies mit den Worten: "Der weitaus größte Teil der Hartz-IV-Arbeitslosen ist nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt integrierbar." Allmählich würde sich auch die Bundespolitik dieser Erkenntnis nähern, ergänzt er.

Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hohlmeier meint dazu, dass bei Arbeitslosen erst einmal über Coaching-Maßnahmen das Lebensumfeld der Menschen verbessert werden müsse, bevor an berufliche Qualifizierung gedacht werden könne. Allerdings sei die für arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen im Jahre 2015 zur Verfügung stehende Summe von 3,25 Millionen Euro ähnlich niedrig wie im Vorjahr.

"Aquisiteur" soll helfen

Derzeit bemüht sich das Jobcenter um Fördermittel des ESF-Bundesprogramms für Langzeitarbeitslose. Ein "Aquisiteur" solle mit diesem Programm für Langzeitarbeitslose Stellen suchen und sie auf dem Arbeitsplatz betreuen. Landrat Meier sprach von "guter wirtschaftlicher Entwicklung und Stärke des Landkreises" und lobte die vom Jobcenter geleistete Arbeit. "Stadt und Landkreis können nicht voneinander losgekoppelt werden. Was für die Stadt gut ist, ist auch für den Landkreis gut und umgekehrt."
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