Jonas' größtes Experiment

In Ulm bereitete sich der Weidener Jonas Landgraf mit dem Nationalteam auf die Physik-WM vor. Bild: SFZ

Wovon hängt es ab, ob eine Kaffeetasse überschwappt, wenn man damit durch die Gegend läuft? Keine einfache Frage, sondern eine komplexe physikalische Angelegenheit. Der Füllstand spielt eine Rolle, die Form der Tasse, der Laufrhythmus des Trägers und noch viele andere Parameter. Mit solchen Aufgaben beschäftigt sich Jonas Landgraf (17). Was ihn jetzt nach Thailand bringt.

(nt/az) Eine Jury aus hochkarätigen Wissenschaftlern hat den Weidener nach 2014 bereits zum zweiten Mal in die Nationalauswahl berufen. Jonas Landgraf wird Deutschland vom 27. Juni bis 4. Juli 2015 beim Physik-Weltcup im thailändischen Nakhonratchasima vertreten. Am Schülerforschungszentrum in Ulm fanden diese Woche die letzten Vorbereitungen vor dem Abflug der Mannschaft statt.

Für den Augustinus-Gymnasiasten ist die Berufung keine Überraschung: Aufgrund seiner Erfahrungen beim Physik-Weltcup 2014 in England habe es für wahrscheinlich gehalten, erneut zum Team zu stoßen. Im Februar gewann er noch dazu mit seinem Team-Partner die Deutsche Meisterschaft. Das National-Team, dem außerdem Carina Kanitz aus Erlangen, Sina Hartung aus Ulm, Dominika Stronczek aus Hamburg und Ann-Kathrin Raab aus Rosenheim angehören, trifft sich seitdem regelmäßig in Ulm. Auf dem Programm stehen dort vorbereitende Experimente, das Erarbeiten von Lösungen, aber Training im Präsentieren und Debattieren in Englisch. Bei den Vorbereitungstreffen übernachten, kochen und arbeiteten sie gemeinsam in den Räumen des Schülerforschungszentrums.

Wie kommt Jonas damit klar, als einziger Mann zusammen mit vier jungen Damen nach Thailand zu fliegen? "Ich war schon überrascht, dass so viele Mädels bei der Deutschen Meisterschaft, dem GYPT, teilgenommen haben", sagt er. "Aber natürlich habe ich mich darüber gefreut, dass es nun auch so viele Mädels ins Nationalteam geschafft haben. Warum sollten die auch schlechter in Physik sein als die Jungs?"

Bei der Weltmeisterschaft müssen die Teams nicht nur Lösungsvorschläge für die von einem internationalen Komitee zusammengestellten physikalischen Probleme präsentieren, sondern auch als Opponenten die Schwachstellen in den Argumentationen der gegnerischen Mannschaften erkennen und diskutieren. Eine internationale Jury vergibt für jede dieser Aufgaben Punkte. Nach fünf sogenannten "Physics Fights" in den Vorrunden, steht fest, welche Mannschaften das Finale erreichen.

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Erfolgreiches Turnier-Team

Deutschland hat das Turnier in den vergangenen 18 Jahren bereits sieben Mal gewonnen. Unter Druck gesetzt fühlt sich Jonas dadurch jedoch nicht. "Wir werden dort auf Mannschaften aus 30 Ländern treffen. Viele davon sind unheimlich stark. Unsere Gegner werden erst vor Ort ausgelost, und die bestimmen, welche der 17 Probleme wir präsentieren müssen. Ein bisschen Glück gehört also auch dazu, denn natürlich haben wir Stärken und Schwächen."

Der 17-Jährige war für die letzte Trainingseinheit vom Unterricht freigestellt. In Ulm bereiteten ihn Lehrer und Studenten vor. Ehemalige Weltcup-Teilnehmer besprachen mit den "National-Physikern" auch Strategien, die abhängig sind vom Gegner. Schließlich dürfen auch die Deutschen die Präsentationsthemen ihrer Kontrahenten bestimmen.

Gut vorbereitet

"Dieses Mal haben wir eine längere Vorbereitungszeit als letztes Jahr", stellt der Weidener fest. "Nicht nur unsere Betreuer unterstützen uns, sondern auch das zweite Nationalteam, welches im Mai die international ausgerichtete Österreichische Physik-Meisterschaft gewonnen hatte." Darunter übrigens auch sein Weidener Mitschüler Fabian Eller.

Im vergangenen Jahr waren Jonas und das Nationalteam mit einem neunten Platz und einer Silber-Medaille nach Hause gekommen. Seine Erwartungen an die WM 2015? "Dass ich dort wieder viele neue Leute kennenlerne und mehr vor allem mehr über Physik lernen kann", sagt er. "Natürlich hoffe ich auch auf ein möglichst gutes Ergebnis, aber ich wäre mit einer Silber-Medaille voll zufrieden - nur mindestens der 8. Platz sollte es schon sein. Man muss sich ja steigern."
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