Jubeln und Jaulen

Glück und Unzufriedenheit: Während Stadtrat Karl-Heinz Schell OB Kurt Seggewiß, Bürgermeister Jens Meyer und Stadträtin Sabine Zeidler ihre Freude bei der Wahlparty haben, überwiegt bei Sonja Schuhmacher und Ehemann Klaus Gatz die Enttäuschung. Bild: fku
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
09.11.2014
16
0
 
Glück und Unzufriedenheit: Während Stadtrat Karl-Heinz Schell OB Kurt Seggewiß, Bürgermeister Jens Meyer und Stadträtin Sabine Zeidler ihre Freude bei der Wahlparty haben, überwiegt bei Sonja Schuhmacher und Ehemann Klaus Gatz die Enttäuschung. Bild: fku

Die Mehrheit ist deutlich, das Quorum knapp erreicht: Die Weidener haben für das Gewerbegebiet West IV gestimmt. Die Stadtpolitik fühlt sich bestätigt. Die Gegner wollen unterdessen nicht klein beigeben.

Als der Oberbürgermeister das vorläufige Endergebnis verliest, fängt der Hund von Sonja Schuhmacher an zu jaulen. Der Vierbeiner und sein Frauchen, die Vorsitzende des Bund Naturschutz (BN) Weiden, gehören zu den wenigen, die bei der Wahlparty im Neuen Rathaus die Rolle des begossenen Pudels übernehmen müssen. Die überwiegende Mehrheit dagegen jubelt und applaudiert, als um 18.27 Uhr das letzte Stimmlokal ausgezählt ist.

Dass die Befürworter eine deutliche Mehrheit haben würden, war da schon klar - 71,62 Prozent stimmten letztlich mit Ja. Am Ende schafften sie aber auch noch ganz knapp die zweite Hürde: 7060 Ja-Stimmen entsprachen 20,7 Prozent der Stimmberechtigten. Damit war auch das Quorum von 20 Prozent (6873 Stimmen) erreicht. Der Bürgerentscheid ist damit gültig. "Das hat der Politik den Rücken gestärkt", erklärt OB Kurt Seggewiß. "Die Bürger haben Vernunft gezeigt." Nun gehe es darum, die nächsten Schritte anzugehen, also zunächst die Fragen nach Hochwasserschutz und Verkehr. "Und wir werden die Bürger bei allen Stufen im Vorfeld beteiligen." Dass aber der Weg an sich aufgrund des klaren Ergebnisses der richtige sei, daran lässt Seggewiß keinen Zweifel. "Ich hoffe, dass auch Frau Schuhmacher dieses deutliche Zeichen versteht."



Diese Hoffnung dürfte für Seggewiß die einzige Enttäuschung am Sonntagabend bringen. Denn Schuhmacher will keineswegs klein beigeben. Aus dem Wahlkampf habe sich der BN sowieso "schon rausgehalten". Die Naturschützer konzentrieren sich laut Schuhmacher eher auf eine Petition an den Landtag, durch die West IV doch noch verhindert werden soll. Trotzdem sei es umso bezeichnender, dass das Quorum "nur mit knapper Not und nach wahnsinnigem Aufwand" erreicht worden sei. Ob der BN daneben auch noch eine Klage gegen das Gewerbegebiet anstrebt, ist offen. Das sei die Entscheidung des Landesverbandes. Klar sei auf jeden Fall: "Wir kämpfen weiter."

Einspruch kommt da von Bürgermeister Jens Meyer: "Das war eine demokratische Entscheidung. Wenn sie anders gewesen wäre, hätten wir das auch akzeptiert. Und das erwarten wir jetzt auch von den anderen."

Mit anderen Erwartungen beschäftigt sich derweil die CSU: Sie hatte bei einem Ortstermin Klagen von Anwohnern gehört, die fürchten, ein Naherholungsgebiet zu verlieren. "Wir werden diese Sorgen ernst nehmen", erklärt denn auch Fraktionschef Wolfgang Pausch. Wichtig sei aber erst einmal, dass es ein klares Ergebnis gegeben habe: "Das ist ein guter Tag für die Stadt."

Bürgermeister Lothar Höher sieht das ähnlich - und blickt gleich nach vorne: "Jetzt geht's ums Detail." Dazu gehört für ihn auch, die Anwohner zu schonen. Den geplanten kleinen östlichen Abschnitt des Gewerbegebietes braucht es aus seiner Sicht nicht, sagt Höher, der selbst in Weiden-West lebt. "Ich bin optimistisch, dass wir ohne diesen vorderen Teil auskommen."

Federführend bei der Planung - mit oder ohne diesen östlichen Teil - ist Cornelia Taubmann. Auf die Stadtkämmerin wird nun viel Arbeit zukommen - zufrieden ist sie natürlich trotzdem. "Ein großer Schritt" sei das Ergebnis. Nun gelte es, die Rahmenplanung voranzutreiben. In spätestens drei Jahren könnte dann der erste Spatenstich folgen.

Glücklich zeigt sich auch Stefan Rank, Bürgerlisten-Stadtrat und Vize des Wirtschaftsclubs. "Die Bürger haben für die Zukunft gestimmt", konstatiert er. Denn die Wirtschaft "benötigt das Gewerbegebiet dringend". Das bekommt sie nun wohl. Zumindest bei den Unternehmen bleibt der Katzenjammer an diesem Abend aus.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3425)November 2014 (8196)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.