Julian Assange: Held oder Verräter? - Experten warnen im Filmgespräch vor zu großer Offenheit
Gefährliche Fußabdrücke im Netz

Die Internetexperten Markus Fehr, Heike Braun (von links) und Anton Braun (rechts) klärten auf Einladung von Peter Schönberger (Zweiter von rechts),Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung, über die Gefahren im weltweiten Netz auf. Bild: uz
Weiden. (uz) "Wenn ich poste, ich bin fort, weiß der andere, dass ich nicht daheim bin." Das ist allerdings die offensichtlichste Fußspur, die der User im World Wide Web hinterlassen kann. Allzu große Offenheit, die Einbrecher geradezu einlädt, zuzuschlagen. Aber im Internet seien noch ganz andere Tücken versteckt, von denen man sich heute noch gar kein Bild machen könne. Anton Braun vom IT-Service Biz-Team warnte bei den Weidener Filmgesprächen im Neue Welt-Kinocenter vor allzu großer Arglosigkeit.

Anbieter sammeln Daten

"Jeder, der im Netz unterwegs ist, hinterlässt digitale Fußabdrücke, ob er will oder nicht." Es gehöre zum Geschäftsmodell der Anbieter, Daten über Nutzer zu sammeln. Was heute noch unscheinbar scheine, könne in Zukunft enorme Auswirkungen auch auf den Einzelnen haben. Big Brother lasse grüßen. So werde heute schon bei Einstellungsgesprächen auf den Auftritt der Bewerber im Social Network zurückgegriffen. Hobbys und andere Vorlieben seien den Personalchefs längst bekannt.

Ausgangspunkt war der Film "We steal Secrets: Die WikikLeaks Geschichte" über Julian Assange, Held und Verräter. Der Streifen dokumentierte Aufstieg und Fall des Enthüllers, befasste sich aber auch mit dem Gefreiten Bradley Manning, der ihm die Geheimdokumente und die Offenbarung des strategischen Räderwerks der US-Diplomatie zugespielt hatte.

Der Vorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung, Peter Schönberger, sprach von einer Gratwanderung bei der Beantwortung der Frage, ob Assange und Manning als Helden oder Verräter einzustufen seien. Im Interesse der Öffentlichkeit sei ein Stück weit Transparenz schon recht, meinte Braun. Inzwischen sei man technisch so weit, sogar die Kühlschranktemperatur oder Raumtemperatur übers Smartphone zu regeln. "Die Gefahr, dass diese Datenmenge verbrecherisch verwendet wird, ist sehr groß." An der Diskussion beteiligten sich IT-Sicherheitsexpertin Heike Braun und Markus Fehr, Datenschutzbeauftragter der Stadt Weiden.

"Wir ordnen die Sensibilität von Daten in Muster ein und überprüfen, welchen Schaden sie anrichten könnten", sagte Heike Braun. "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", unterstrich Fehr die Situation in den Firmen. "Wenn ich Leute im Betrieb habe, die Daten nach außen geben, kann ich das nicht kontrollieren."

Gelöschtes bleibt versteckt

Beim Surfen im Internet sollte man sich eben immer aufs Notwendigste beschränken, meinte Fehr. Auch Anton Braun warnte vor einer allzu blauäugigen Preisgabe seiner Daten, auf Facebook etwa. "Und in einer solchen Zeit leben wir." "Auch wenn ich meinen Account später mal lösche. Was ich mal rein gegeben habe, ist irgendwo versteckt." Überall, wo Persönlichkeitsrechte angegriffen würden, sei die Nutzung des Internets sehr bedenklich. Und: "Wir sind schon sehr nah dran an der künstlichen Intelligenz."
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