Junge Weidener Hüpfer

Philipp Weiß (links) und Janek Lindner (Dritter von links) waren Erfolgsgaranten beim glatten 3:0-Heimsieg der VGF Marktredwitz über den TSV Zirndorf. Die erfahrenen Teamkollegen Max Schwinger (Zweiter von links) und Kapitän Jan Liebscher (rechts) jubeln mit den Nachwuchshoffnungen. Bild: Perzl

Paul Soderer (16 Jahre), Janek Lindner (16), Philipp Weiß (15) und Jonas Lindner (17) stammen aus der Volleyball-Jugend des TB Weiden. Seit kurzem spielen die Teenager in der Dritten Liga bei der VGF Marktredwitz - und kommen sich seitdem vor wie in einer anderen Welt.

Die Sebald-Halle in Marktredwitz gleicht einem Hexenkessel. Es ist der 1. Spieltag in der neuen Saison für die Marktredwitzer Drittliga-Volleyballer. Gegner ist der TSV Friedberg. Beim Spielstand von 2:2-Sätzen und 14:13 für die Heimmannschaft: Matchball. Mit einem Schmetterball die Linie entlang entscheidet die VGF das Spiel zu ihren Gunsten. Die Zuschauer toben auf der Tribüne, bei den Spielern auf dem Feld gibt es kein Halten mehr. Tosender Jubel. Und mittendrin die vier Weidener Jungs. Sie haben Probleme, ihre Emotionen zu kontrollieren.

Geplanter Umbruch

"Sie leugnen es zwar nach wie vor, aber sie hatten Tränen in den Augen", erzählt Kapitän und VGF-Urgestein Jan Liebscher. Die bisherigen Bezirksklassen-Volleyballer vom TB Weiden stießen vor der Saison zur VGF, die damit einen Umbruch einleitete. "Das war schon eine Wahnsinns-Stimmung. Bisher schauten bei unseren Spielen ja nur die Eltern zu", sagt Paul Soderer. Volleyball ist in Marktredwitz der Zuschauermagnet schlechthin. Zu den Heimspielen samstagabends um 20 Uhr pilgern stets um die 350 Zuschauer. Die kleine Sebald-Halle platzt dann immer aus allen Nähten. Dass die Jugendlichen plötzlich so im öffentlichen Interesse stehen, ist nicht die einzige Umstellung, an die sie sich zu gewöhnen haben. "In Weiden hatten wir eine Trainerin, jetzt ist Milan Cernousek unser Chef", sagt Philipp Weiß, mit 15 Jahren das VGF-Küken. Der 58-jährige, 256-fache tschechische Nationalspieler und Vize-Europameister von 1985, mache im Training aber keinen Unterschied zwischen "Jung und Alt". "Er lobt uns sehr viel und wir lernen einfach in jedem Training so viel dazu", schwärmt Janek Lindner.

Dass dem Nachwuchs bereits so viel Spielzeit in der Dritten Liga zukommt, war zu Beginn gar nicht geplant gewesen. "Philipps Vater fragte an, ob die Jungs bei uns mittrainieren könnten. Schnell stellte sich dabei heraus, dass sie Talent haben und das Gesicht unseres geplanten Umbruchs sein können", sagt Liebscher. Die VGF trennte sich daraufhin von Spielern aus dem Nürnberger Raum und setzte vollends auf das junge Oberpfälzer Pferd.

Tabellenführer

Bisher mit Erfolg: Nach vier Siegen aus den ersten vier Partien grüßt die VGF Marktredwitz von ganz oben in der Tabelle der Dritten Liga. Die vier Weidener Gymnasiasten haben keine Bedenken, dass sich der Mehraufwand (dreimal wöchentlich Training und Spiel am Wochenende) negativ auf die schulischen Leistungen auswirken könnte. "Da passen wir schon auf und sind ehrgeizig genug", sagt Jonas Lindner mit einem Augenzwinkern. "Und wir sind ja auch noch da", fügt "Oldie" Liebscher umgehend an.

Bisher kommen die vier Weidener mit pendelnden Mitspielern oder ihren Eltern zum Training nach Oberfranken. "Die stehen hinter uns und unterstützen uns", sagt Phillip Weiß. Die Jungen profitieren von ihren erfahrenen Teamkameraden, aber "auch der Verein erfährt dadurch frisches Blut", merkt Liebscher an. Somit scheint der Weg für eine erfolgreiche Volleyball-Karriere geebnet. Und somit für noch mehr emotionale Spiele, die Janek, Philipp, Jonas und Paul die Tränen in die Augen treiben.
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