Kärtchen für kosmisches Lernen

Auch so kann Schule aussehen: Gemeinsames und dennoch konzentriertes Lernen auf dem Teppichboden. Der Montessori-Pädagoge Claus-Dieter Kaul unterrichtete zwei Tage lang die Kinder an der Montessori-Schule in Weiden. Bild: Bühner

Theorie und Praxis: Erst informierte Claus-Dieter Kaul Lehrer und Lehramtsstudenten über die Montessori-Pädagogik. Dann arbeitete er zwei Tage lang mit den Kindern an der Montessori-Schule.

Weiden. (sbü) Mit Hilfe der Montessori-Pädagogik sollen die Kinder nicht nur Wissen erwerben, sondern ganzheitliche Zusammenhänge erkennen lernen und dadurch zur Selbstständigkeit geführt werden. Ganz nach dem Motto von Maria Montessori: Hilf mir, es selbst zu tun. "Der Erfolg gibt uns recht, denn wir haben nach vier Jahren Unterricht in unserer Schule ein 97-prozentige Übertritts-Quote an weiterführende Schulen", sagt Gerda Högl-Siegler, Betriebsleiterin der Weidener Montessori-Schule.

Bei den Montessori-Tage hatte die Schule Claus-Dieter Kaul eingeladen. Der erfahrene Montessori-Pädagoge setzte sich gleich mitten unter die Schüler auf den Boden. Schulbänke oder große Wandtafeln gibt es an dieser Schule nicht, auch keine Pausenglocke. Die trinomische Formel stand an diesem Morgen auf dem Programm. Doch wer die bekannte mathematische Potenzformel erwartet hatte, war überrascht. Vielmehr hatten die Kinder 27 große Klötze mit unterschiedlichen Farben in der Hand. Diese wurden systematisch zusammengefügt, bis schließlich der sogenannte binomische Kubus entstanden war.

"Lernen über Bauen, über Spielen und über Bewegen", erklärt Kaul diese Methode. Alle Schüler beteiligten sich aktiv am "Bauprojekt" und waren aufmerksam. Am Ende dieses Unterrichtsteils gab es eine weitere Überraschung: Die Kinder wurden für 45 Minuten in eine Pause geschickt. Doch sie stürmten nicht laut auf den Schulhof, sondern gingen zum selbstständigen Arbeiten mit Lernmaterial in verschiedene Schulräume.

Selbstständiges Arbeiten

"Das sind die Kinder längst gewohnt", erklärte Gerda Högl-Siegler beim Gang durch die Schulräume, in denen Kinder am Boden sitzen und selbstständig arbeiten. "Jeder lernt nach seinen individuellen Bedürfnissen." Wenn es erforderlich ist, helfen Lehrkräfte weiter. Da sortiert ein Mädchen Zahlenkärtchen, um das Einmaleins zu lernen. Auf den Kärtchen befinden sich gleichzeitig geometrische Motive, die eine Verbindung zur jeweiligen Zahl haben. "Kosmisches Lernen", heißt diese Methode, die Zusammenhänge aufzeigen soll.

Für die nächste Unterrichtstunde legt der Montessori-Pädagoge Kärtchen mit Wörtern und dem dazu passenden grammatikalischen Symbol auf den Sitzteppich. "Bei uns muss immer Ordnung herrschen", erklärt Gerda Högl-Siegler dazu. Nur so funktionierten die Lehrmethoden. Dass die Schüler diesen Grundsatz auch erst nehmen, sieht der Besucher an den von den Schülern gefüllten Müllsäcken und dem von ihnen selbst durchgeführten Reinigungsdienst.

Kaul und Högl-Siegler verweisen noch auf den Montessori-Basis-Lehrgang der Akademie Montessori Biberkor, der am 24. Juli an der Weidener Schule beginnt.
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