Kampagne auch für "Paten"

Jeder zehnte Arbeitslose ist schwerbehindert. Seit Jahren wird über die hohe Arbeitslosigkeit dieses Personenkreises geklagt und diskutiert. Jetzt startet die Arbeitsagentur einen neuen Anlauf, um Kräfte zu bündeln und das Ziel zu erreichen. Aber noch werden auch die Partner auf der Arbeitgeberseite für das Modellprojekt gesucht.

(sbü) Noch nie konnte von der Arbeitsagentur Weiden, den Job-Centern Weiden und Tirschenreuth so viel geballte Kraft eingesetzt werden, um die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten zu bekämpfen. 850 000 Euro hat das Bundesministerium für Arbeit für das Modellprojekt "Hand in Hand" zur Verfügung gestellt (wir berichteten).

"Wir haben Fördergelder"

Das Besondere daran ist, die Beteiligten haben das Projekt selbst nach den örtlichen Bedürfnissen entworfen. Die Details haben sie jetzt in einem Pressegespräch beim Projektträger Job-Trans Berufsbildung gGmbH vorgestellt. Das wichtigste Anliegen für Projektträger und Arbeitsverwaltung formuliert Arbeitsagenturchef Andreas Staible mit dem Satz: "Wir haben die Fördergelder, wir haben einen Rekord an offenen Stellen, und jetzt brauchen wir die Bereitschaft von Arbeitgebern, Schwerbehinderten eine Chance zu geben."

Tatsächlich sei es einem Arbeitgeber noch nie so leicht gemacht worden, einen Schwerbehinderten auf einem Arbeitsplatz zunächst zu erproben. Schließlich gebe es nicht nur die Fördergelder des Programms für diese "Schnupperphase", sondern im Falle der Einstellung die "lange Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten" wie Eingliederungszuschüsse, technische Hilfen am Arbeitsplatz oder Minderleistungsausgleich.

Das Förderprogramm steht überwiegend im Vorfeld einer sich im Idealfall anschließenden Beschäftigung. "Drei wesentliche Elemente sind darin enthalten", berichten die Geschäftsführer des Projektträgers, Gerald Igl und Bernhard Markl. Zunächst stehe eine maximal dreimonatige betriebliche Erprobung eines schwerbehinderten Arbeitslosen im Mittelpunkt. Neben der individuellen Unterstützung durch das Projektpersonal wird dem Schwerbehinderten ein persönlicher Begleiter ("Pate") zur Seite gestellt. Dafür erhält der Betrieb einen finanziellen Ausgleich von 25 Euro pro Arbeitstag.

Das zweite Kernelement des Modells ist das "Hand-in-Hand-Mobil". Es ist ein Kleinbus "zur aufsuchenden Beratung von Bewerbern mit ungünstigen ÖPNV-Bedingungen". Auch individuelle Mobilitätsprobleme der Bewerber könnten kurzfristig damit überbrückt werden.

Eingliederungsstrategie

Der dritte große Programmteil des Projekts soll die Selbsthilfe der Bewerber aktivieren und fördern. In moderierten Selbsthilfegruppen sollen sich die Bewerber austauschen können, miteinander Kontakt knüpfen und gemeinsam Aktivitäten unternehmen. Ganz am Beginn der individuellen Betreuung im Projekt steht eine persönliche Zukunftsplanungskonferenz unter Einbeziehung aller beteiligten Stellen. Hier wird, ausgehend von den Wunsch- und Zielvorstellungen des Bewerbers, die individuelle Eingliederungsstrategie entwickelt.

Schwerbehinderte leiden bekanntermaßen darunter, dass potenzielle Arbeitgeber Minderleistungsfähigkeit vermuten. Dass eher das Gegenteil der Fall ist, vor allem, wenn mit Hilfe der Fachdienste ein behinderungsgerechter Arbeitsplatz geschaffen werde, zeigt die langjährige Erfahrung. Im Projekt soll auch daran gearbeitet werden, Ängste des Kunden ("Kann ich das überhaupt?") abzubauen, sagte die Vermittlerin für Schwerbehinderte, Regina Ram.

Kommt es zu einer Einstellung, gibt es auch eine nachgehende Betreuung durch die Projektmitarbeiter. Um die Bereitschaft der Arbeitgeber, sich am Projekt zu beteiligen, zu erhöhen, erinnerte Ram auch an die mögliche Verringerung der Ausgleichsabgabe bei Nichterfüllung der Schwerbehinderten-Pflichtquote.

Das Programm ist für drei Jahre genehmigt. Zunächst werden 15 Arbeitslose einbezogen. Ansprechpartner sind die Vermittlerin für Schwerbehinderte, Regina Ram, erreichbar unter der Telefonnummern 0961/ 409 26 48 sowie Job-Trans gGmbH, 0961/470 54 150.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8667)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.