Kampf um den Nachwuchs

Die Führungsspitze der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz um Präsident Georg Haber (Dritter von rechts) und Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler (rechts) machte in Weiden auf die Nachwuchsprobleme aufmerksam. Der Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht (Zweiter von rechts) unterstützte weitgehend die Positionen des Handwerks. Bild: Bühner

In der nördlichen Hälfte der Oberpfalz ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stark zurückgegangen. Dass die gesamte Führungsmannschaft der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz nach Weiden kommt, um auf die Nachwuchsprobleme aufmerksam zu machen, zeigt den Ernst der Lage.

(sbü) Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz fordert Politik und Gesellschaft zu verstärktem Kampf gegen den Nachwuchsmangel im Handwerk auf. Wie ernst die Lage insbesondere in der nördlichen Hälfte der Oberpfalz ist, drückte Kammerpräsident Georg Haber bei einem Pressegespräch am Freitag in Weiden so aus: "Wollen wir ein Ausbluten des regionalen Mittelstands verhindern, dann muss es uns gelingen, wieder mehr Schulabgänger für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern."

Laut Dr. Haber nützt die stabile Handwerkskonjunktur wenig, "wenn uns Fachkräfte zur Abarbeitung unserer vollen Auftragsbücher fehlen". Im Mittelpunkt ihrer Forderungen stellt die Handwerkskammer die Intensivierung der Berufsorientierung. Dafür wurde eigens das Positionspapier "Plädoyer für eine systematische Berufsorientierung" verfasst. Wichtigste Forderung darin ist, eine verpflichtende Berufsorientierung "auch in Real-, Wirtschaftsschulen sowie in Gymnasien zu verankern". Hohe Studienabbrecher-Quoten und häufig missglückte Übergänge von der Schule in den Beruf seien ein Teufelskreis, aus dem man langfristig nur mit der gezielten Berufsorientierung junger Menschen ausbrechen könne.

"Talente sollten in die richtige Richtung geleitet werden", sagte Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler und verwies auf die Berufsorientierungsmaßnahmen in den Berufsbildungszentren der Handwerkskammer. "Als bildungsökonomischen Wahnsinn" bezeichnet Haber Studienanfängerquoten eines Jahrgangs von über 50 Prozent. "Was nützt es uns, wenn zum Schluss frustrierte Menschen aus den Hochschulen herausgehen?" Dabei bezog er sich auf Studienabbrecher-Quoten von 25 bis 40 Prozent. Weitgehende Zustimmung bekamen die Positionen der Handwerkskammer durch den Bundestagabgeordneten Albert Rupprecht (CSU). "Berufliche Bildung und akademische Bildung müssen besser austariert werden", forderte Rupprecht. "Wir brauchen beides, aber im richtigen Maß", sagte er und wandte sich auch "gegen das automatische Feiern hoher Studienanfänger-Quoten".

Eine Ausweitung der Berufsorientierung auf Gymnasien würde allerdings 600 bis 700 Millionen zusätzliche Kosten verursachen. "Dennoch muss dies Ziel der Koalitionsverhandlungen in der nächsten Legislaturperiode sein", fordert Rupprecht. Als bildungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion berichtete Rupprecht auch von geplanten Verbesserungen des Meister-Bafögs, um "ein klares Zeichen für die Attraktivität des Handwerksmeisters zu setzen". Für die überbetrieblichen Bildungsstätten würde im nächsten Haushalt "der Vorjahresbetrag eher aufgestockt". Etwas Widerspruch des Handwerks bekam Rupprecht allerdings für die Überlegungen auf Bundesebene, Berufsschulen durch sogenannte "Berufsfamilien" stärker zu konzentrieren. Das Handwerk sieht hierbei Gefahren für die notwendige fachliche Spezialisierung.
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