Karriere statt "nur" Haushalt

AsF-Vorsitzende Sabine Zeidler (vorne links) und ihr Team freuten sich über zahlreiche Gäste beim Valentins-Frühstück im Café Mitte. Stadtarchivarin Petra Vorsatz (gegenüber sitzend) referierte über bedeutende Weidener Frauen in früheren Jahrhunderten. Bild: Dobmeier

Hochzeit, Haushalt und Kindererziehung galten früher als Aufgaben einer Frau. Trotzdem gab es auch in vorangegangenen Jahrhunderten einige Weidener Damen, die es zu größerem Ansehen brachten.

Weiden. (rdo) Studium und Karriere waren einst Männersache. Für Frauen gab es allenfalls Arbeiten als Dienstbotin oder Leichenfrau, erinnerte Stadtarchivarin Petra Vorsatz in ihrem Vortrag beim Valtentins-Frühstück der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Vorsitzende Sabine Zeidler und ihr Team hatten zum Büfett ins Café Mitte geladen und stellten erfreut fest, dass Damen türkischer und russischer Herkunft hier das Zusammenwachsen verschiedener Nationalitäten wirklich lebten.

Resolute Pädagogin

In historischen Archiven finden sich wenige Frauennamen, berichtete Petra Vorsatz. Zu den Ausnahmen zählt die Weidnerin Agnes Weiß, die in zweiter Ehe den Tuchmacher Friedrich Weiß heiratete. Ihr erster Mann, ein Leinenweber, starb an der Pest. Angesichts der Wirren des 30-Jährigen Krieges rund um Weiden siedelte die Bürgersfrau nach Nürnberg um. Im Weidener Stadtarchiv existiert von ihr ein Porträt mit Otterfell-Haube und der Weidener Stadtsilhouette.

Als Brauereibesitzerin sorgte Leni Landgraf mit ihrem sozialen Engagement für Aufsehen, erzählte Petra Vorsatz. Sie bewirtete den Ratskeller und den Landgrafkeller am jetzigen Langen Steg. Dr. Helene Hoffmann machte sich als resolute Pädagogin und Rektorin der Clausnitzer-Schule einen Namen. Sie widmete sich auch der Heimatforschung. Dr. Blandiana Dirrigl, geboren 1902, übernahm die Praxis ihrer Vaters Max Dirrigl in der Max-Reger-Straße und praktizierte 53 Jahre in der Kinderheilkunde. Die Ärztin war angesehen, hatte ein soziale Ader, war nach dem II. Weltkrieg eine wichtige Helferin für viele Menschen und kurierte Kriegsheimkehrer unter anderem mit Kartoffelwasser.

Carolina Gerhardinger erblickte in Stadtamhof in Regensburg das Licht der Welt und gründete 1785 den Orden der "Armen Schulwestern unserer lieben Frau" mit dem Ziel, die Mädchenbildung zu verbessern. Im Ensemble mit der Josefskirche Weiden baute der Orden auch 1905 die Gerhardinger-Schule und das Schwesternhaus. In der Asyl- und der Braunmühlstraße entstand ein Kinderasyl. 1945 waren 20 Ordensfrauen im Dienst der Städtischen Mittelschule. Ab 1996 zog das Mutterhaus die letzten Schwestern aus der Max-Reger-Stadt ab.

Als erste Weidnerin zog Antonie Vierling - Tochter von Heinrich Vierling und Sproß einer alteingesessenen Bürgersfamilie - in den Stadtrat ein, in dem neben ihr 30 Männer saßen. 1921 nahm sie an 13 Sitzungen teil. Ihr Vater ermöglichte ihr das Kunststudium, was zu dieser Zeit außergewöhnlich war. 1938 wirkte eine Frau im Stadtrat mit, 1985 waren es sechs, 2008 immerhin elf und 2014 sind neun von 40 Stadträten weiblich. Glückwünsche galten den anwesenden Stadträtinnen Sema Tasali-Stoll, Gabriele Laurich sowie Sabine Zeidler, die es in die ehemalige Männerdomäne geschafft hatten.

Petra Vorsatz beendete ihren Vortrag mit dem Zitat: "Lassen Sie es nicht zu, dass erstklassige Frauen von zweitklassigen Männern verdrängt werden". Sie erhielt dafür tosenden Applaus. Am Weltfrauentag, dem 8. März, lädt die AsF um 18 Uhr in der Almhütte ein.
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