Karten zeigen Hochwassergefahr - Risiko-Management soll verbessert werden
266 Weidener saufen ab

Baurat Peter Fröhlich vom Weidener Wasserwirtschaftsamt ist für das Hochwasserrisiko-Management verantwortlich. Bild: Hartl

Endlich gibt es sie, die Hochwassergefahrenkarten. Dafür war eine EU-Vorschrift nötig, in der das Hochwasserrisiko-Management angemahnt wird. Weiden muss sich vorbereiten: 266 Bürger wären von einem 100-jährlichen Hochwasser betroffen.

Baurat Peter Fröhlich ist in seinem Element, als er alle zuständigen Ämter und Hilfsorganisationen in der Stadt zur Besprechung ins Rathaus bittet. Das Wasserwirtschaftsamt hat gerechnet, die Pläne erstellt, die Grenzen gezogen, an denen ein 100-jährliches Hochwasser haltmachen würde.

Zwar gab es seit über 100 Jahren keine so starke Flut mehr, aber alle fünf bis sechs Jahre rollt ein Hochwasser durch die Stadt. Mal im Winter, mal im Sommer. Die Pegel erreichen dabei Meldestufe drei. Im Naabtal fehlen dann zwar immer noch 40 Zentimeter, um das 100-Jährliche zu erreichen. Dennoch sind auch hier die Schäden enorm.

An Elbe und Donau sei erst im letzten Jahr wieder zu sehen gewesen, dass die Hochwasser immer stärker würden, betont der Baurat. Darum werde nicht mehr nur eine 100-jährliche Flut "gerechnet", sondern auch das "Hochwasser extrem", wie es bisher einmal in 1000 Jahren eintritt. Dann würden die Schutzeinrichtungen nicht mehr funktionieren, 1400 Bürger und ihre Grundstücke würden geflutet.

Selbst das Schlör-Denkmal stünde dann im Wasser, verdeutlichte Fröhlich. Ebenfalls "gehörig feucht" wäre es im Kindergarten St. Michael, in den Parkdecks in der Friedrich-Ebert-Straße sowie in den Naabwiesen. Die Johannisstraße wäre bei einem Hochwasser extrem unpassierbar, die Kläranlage am Reiterweg teilweise überschwemmt, ebenso das Autohaus Widmann, große Teile von Moosbürg sowie die Pirker Straße von Rothenstadt nach Pirk.

Mit Boot am Haken

Während derartige Ereignisse wohl weit weg sind, ist der Nutzen aus dem "Hochwasserrisiko-Managementplan" ganz nah. Erstmals nämlich gibt es Rechenmodelle, die zeigen, wie tief das Wasser in der Flur bei bestimmten Vorgaben steht: Für Feuerwehr oder THW wird aufgrund der unterschiedlichen Blautöne in den Karten deutlich erkennbar, welche Grundstücke dann nur noch mit dem Boot erreichbar sind und die Einsatzfahrzeuge stecken bleiben würden. Bei der Vorbereitung können die Helfer sich an der zu erwartender Wassertiefe ausrichten. Die Karten sind übrigens für jedermann im Internet unter www.iug.bayern.de einsehbar. Bis auf Flurnummern-Größe können sich Interessierte "hineinzoomen", erklärt Fröhlich. "Jeder sieht, wie hoch das Wasser vor seiner Haustüre steht. Das ist der eigentliche Mehrwert unserer Arbeit."

Bis zum 15. Dezember müssen die Weidener Daten nach Brüssel gemeldet sein. Dabei sind die Überflutung bei einem häufigen, einem 100-jährlichen und einem "Hochwasser extrem" zu berechnen.

Über ein automatisches System hat das Wasserwirtschaftsamt Weiden auch die kleineren Gewässer der Stadt aufgenommen. Konkrete Aussagen über die Hochwasserstände seien schwierig, da die Bäche oft verrohrt seien. "Mitunter kann schon ein Bordstein eine Überschwemmung verschieben. Es gibt kaum Infos, was unterirdisch geschieht", meint Fröhlich. Ungenauigkeiten seien deshalb bei der Risikoberechnung nicht ungewöhnlich. Es gebe einen ständigen Korrekturbedarf, bei dem die bisherigen und neuen Erfahrungen berücksichtigt werden.

Für den Wiesengraben und den Weidingbach sind die Hochwasserscheitel also berechnet, nicht gemessen. "Wir haben dort keine Pegel", gesteht Fröhlich. Der Weidingbach spielt aber in diesem Plan des Wasserwirtschaftsamtes erst ab der Alpenrose eine Rolle. Das Amt geht davon aus, dass die angekündigte Hochwasserfreilegung westlich davon realisiert wird.

Harmloser Dorfgraben

Der dann entschärfte Weidingbach gefährdet stadteinwärts nur noch fünf Gebäude, dazu Teile der Witt-Grundstücke und die Johannisstraße. Aber: "Dieser Bach ist nicht so wild wie wir ihn erwartet haben", betont der Projektleiter. Er hat für Weiden sogar ein weiteres Bonbon: Der Dorfgraben in Rothenstadt werde "aufgrund seiner Harmlosigkeit" bei der nächsten Bewertung wohl aus der Risikokulisse fliegen. Damit spart sich die Stadt Weiden die Kosten für die geplanten Schutzmaßnahmen.
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