Kein Kinderspiel für die Kirche

Am Präsidiumstisch der Synode (von links): Dekan Dr. Wenrich Slenczka, Präsidentin Käthe Pühl, stellvertretender Präsident Jürgen Pohl und Schriftführer Herbert Steinbeck. Bild: Bühner

Umfragen belegen: Bei den Jugendlichen ist die Kirchenverbundenheit besonders niedrig. Die Synode des Evangelisch-Lutherischen Dekanats will gegensteuern. Im Mittelpunkt steht der Kindergottesdienst. Über ihn will die Kirche wieder stärker die ganze Familie erreichen.

(sbü) Die Weitergabe des Evangeliums über die Generationen hinweg gelingt immer weniger. Diese Feststellung bildete die Ausgangslage für die diesjährige Dekanatssynode des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weiden im Haus der Gemeinde. Umfragen zeigen eindeutig, dass vor allem bei der jungen Generation die Bedeutung von Glauben und Kirche stark zurückgegangen ist. Nur noch 22 Prozent der 14 bis 21-Jährigen fühlen sich laut einer repräsentativen Befragung der evangelischen Kirche Deutschlands "mit der Kirche ziemlich oder stark verbunden".

Religion rangiert hinten

"Die Kette des religiösen Traditionsprozesses ist unterbrochen", stellte Pfarrer Hartmut Klausfelder aus Neustadt am Kulm im Hauptreferat fest. Nach einer Befragung der Gesamtbevölkerung durch die Bertelsmann-Stiftung über die wichtigsten Lebensbereiche nehme Religion nur noch die sechste Stelle nach Familie, Freunde, Freizeit, Arbeit/Beruf und Politik ein. Wenn es so weitergehe, "droht eine Institution Kirche ohne Inhalt". "Wie reagieren wir in der religiösen Erziehung auf diese Entwicklung?", fragte Klausfelder.

Vielleicht schaffe es der Kindergottesdienst, diesem Trend entgegenzuwirken. Doch auch dazu hatte der Theologe auch dazu erst einmal eine negative Botschaft mitgebracht: "Bayernweit hat sich die Zahl der wöchentlichen Kindergottesdienste in den letzten Jahren halbiert." Pfarrer Klausfelder weiß, wovon er spricht. Ist er doch 2. Vorsitzender des Landesarbeitskreises für Evangelische Kindergottesdienstarbeit in Bayern.

Demografische Entwicklung, Ganztagsschulen und Abwanderung von Jugendlichen hätten negativen Einfluss auf die Zahl der Kindergottesdienste. Der Pfarrer zeigte auf, dass der Weg zu den Kindern über die Familien führe. Dabei sei von einem erweiterten Familienbegriff auszugehen. "Patchworkfamilien" und Alleinerziehende gehörten auch dazu. Die Konzepte müssten die Lebenswirklichkeit von Familien erfassen. "Kinder sind offen, für sich den Sinn des Lebens zu entdecken und Halt im christlichen Glauben zu finden", sagte der Theologe.

In Bayern gebe es eine vielfältige und bunte Landschaft an Kindergottesdienstkonzepten. Gottesdienste für Krabbelkinder und für Kindergartenkinder, klassische Kindergottesdienste, Kinderkirchenclub und Gottesdienste für Teenies ("KidsGo") Großes Lob spendete Pfarrer Klausfelder den 24 Kirchengemeinden des Dekanats Weiden: "Nur in sechs Gemeinden gibt es keinen Kindergottesdienst mehr." Der Pfarrer dankte auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern, weil dort "große Freude und Motivation herrscht". Neben Kindergottesdiensten gebe es zahlreiche Kinderbibeltage. Forciert werden solle die Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten bei Kinder-Krabbel-und Familiengottesdiensten sowie mit den Schulen bei Kinderbibeltagen.

Grußworte sprachen Kaplan Dr. Thomas Hösl für die katholische Kirche und Stadtrat Dr. Matthias Holl. Arbeitsgruppen wurden beauftragt, Detailvorschläge zum Thema "Kirche mit Kindern" zu erarbeiten. Der Synode war einen Gottesdienst in der Michaelskirche vorausgegangen. Begrüßt hatte Präsidentin Käthe Pühl aus Neustadt am Kulm. Mit der Abschlussandacht beendete Dekan Dr. Wenrich Slenczka die Synode.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.