Keine Fehler mit Fehlern machen

Fehler gehören zum Leben. Aber man sollte nicht den Fehler machen, mit ihnen falsch umzugehen. Das erläuterte Teresa Zukic den vielen Zuhörern im Pfarrheim St. Johannes. Bild: Dobmeier

Nein, einen Fehlgriff hatte der Frauenbund St. Johannes mit dieser Rednerin nicht getan. Im Gegenteil: Der Saal des Pfarrheims war rappelvoll, als Schwester Teresa dort auftrat. In ihrem Vortrag ging es dann aber sehr wohl um Fehler - und ungewohnte Blicke darauf.

"Mein Leben ist mein Hobby." So lautet eine der zentralen Einsichten von Teresa Zukic. Zum Leben gehören aber auch Fehler, so die Ordensschwester weiter, im Umgang mit sich selbst, mit anderen Menschen oder in der Gemeinschaft. Daraus solle man lernen. Das sei nicht immer leicht, könne aber mit etwas Toleranz und Nächstenliebe gelingen.

Zukic ist Buchautorin, aber auch als Skateboard fahrende Nonne oder durch Auftritte in Fernsehshows bekannt geworden. Sie hält regelmäßig Vorträge vor Managern und Kirchengemeinden. Für ihr gesellschaftliches Engagement erhielt sie die Bundesverdienstmedaille. Ihren Auftritt im Pfarrheim hatte sie unter den Titel "Der befreiende Umgang mit Fehlern" gestellt. Nach der Begrüßung durch Frauenbund-Vorsitzende Doris Zeitler stellte Schwester Theresa zunächst einmal eine gesellschaftliche Diagnose: Die Menschen gingen nicht befreiend mit Fehlern um, sondern beseitigten nur die Auswirkungen. Das komme daher, dass Menschen Fehler und Sünde vermischen. Sünde sei, wenn man bewusst gegen die Liebe handle. Fehler aber sind etwas anderes.

Wurzel in der Kindheit

Der falsche Umgang mit Fehlern beginne schon in der Kindheit: Man werde mit Liebesentzug bestraft, wenn man Fehler macht. Daraus resultiere die Überzeugung, dass Fehler grundschlecht sind. Passiere dann ein Fehler, fielen wir in alten Verhaltensstrukturen zurück. "Dabei sind Fehler die beste Möglichkeit, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln", sagte Schwester Teresa. "Fehler sind immer entschuldbar. Trennen wir die Schuld vom Menschen. Es läuft vielleicht manchmal etwas nicht gut, aber deshalb ist nicht der ganze Mensch wertlos."

Es wäre viel besser, Fehler zu vergeben, erläuterte Schwester Teresa, die in einer kleinen Kommunität der Geschwister Jesu in Wiesendorf bei Erlangen lebt. Das habe nur Vorteile: "Sie sind aus dem Schneider. Die Seele bleibt gesund. Und die Wunden heilen. Fehler vergeben setzt ein Zeichen für die Welt."

Jeder Mensch sehne sich nach Anerkennung und Zuwendung, sagte Schwester Teresa. In Deutschland werde dies vergessen. Sie erinnerte an die Geschichte von Jesus und Petrus.

Nicht umsonst habe Jesus ausgerechnet Petrus, der ihn verleugnet hatte, die Führung seiner Kirche übertragen. "Jesus hat nicht gefragt, was Petrus falsch gemacht hat, sondern er wollte wissen, ob er ihn liebt, ob er mit dem Herzen zu ihm steht." Dies solle man auch in der Gemeinschaft des Glaubens in den Kirchengemeinden pflegen. Letztlich sei keiner besser als der andere und niemand unfehlbar. "Bevor ich jemanden kritisiere, sollte ich ihn neunmal loben", erklärte sie.

Es gehöre Mut dazu, Fehler zu vergeben. Trotzdem sollten die Menschen versuchen, mit Freude die Welt zu verzaubern, und es auch wagen, verrückte Dinge zu tun, die anstecken im Glauben und der Liebe zwischen den Menschen. Mit großem Applaus quittierten die Zuhörer den Vortrag. Herrmann Stadler überreichte ein Präsent. Das neueste Buch von Schwester Teresa heißt übrigens: "Dir nah sein".
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