Keine Schere im Kopf

Die Teilnehmer der 1. Weidener Demokratiekonferenz erarbeiteten Vorschläge für künftige Konzepte und den theoretischen Überbau für die anstehenden Aufgaben. Auch Stadträte brachten sich ein. Bild: otj

"Demokratie leben!" Wie man dieses hehre Ziel in den Städten und Kommunen durch Engagement mit Leben erfüllen kann - das war Thema bei der 1. Weidener Demokratiekonferenz in der Volkshochschule. Zu Besuch: Der Extremismusexperte der Bundesfamilienministerin, Thomas Heppener.

Mit dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" sollten Menschen vor Ort unterstützt werden, die sich für ein offenes und vielfältiges Land einsetzen, so Heppener. Wenn er durch Deutschland fahre, erinnere schon vieles an die 1990er Jahre, als Asylbewerberheime brannten. "Aber es gibt im Vergleich zu damals eine ganz andere Bereitschaft, sich für die Flüchtlinge einzusetzen." Er ermutigte die engagierten Bürger: "Denken Sie nicht mit der Schere im Kopf. Die Gestaltung vor Ort liegt in Ihren Händen."

OB Kurt Seggewiß erörterte den Fahrplan des Programms: "In Weiden werden wir in Zukunft eine Demokratiekonferenz im Frühjahr abhalten. Hier können aktuelle Themen ebenso zum Tragen kommen wie die Diskussion grundsätzlicher Begriffe. Und eine im Herbst - hier geht es eher um eine Bestandsaufnahme."

Auch gegen linke Militanz

Bei den geplanten Projekten handle es sich trotz des dominanten Flüchtlingsthemas um mehr, so Herbert Schmid von der externen Koordinierungs- und Fachstelle Arbeit und Leben. "Neben Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus stehen auch Homophobie sowie gewaltbereiter Salafismus und linke Militanz im Fokus."

Ob Sportvereine, wie der FC Weiden Ost, die Vorurteilen gegenüber Menschen mit Handicap begegnen wollen, das Diakonische Werk, das sich für eine ausgeprägtere Willkommenskultur einsetzen will oder der Stadtjugendring, der ein DiversityKonzept für die Jugendhilfe erstellen will - "Demokratie leben" ruht auch in Weiden auf vielen Schultern.

Über zivilgesellschaftliche Initiativen, die bereits funktionieren, sprach Manfred Weiß, der sich bei der Koordinationsstelle der Diakonie Weiden um die Ehrenamtlichen im Bereich Asyl kümmert. Ausflüge, Patenschaften, Kleiderkammer, Integrationshilfen oder Deutschunterricht - "ohne das Ehrenamt wird es nicht gehen. Die Stunden die anfallen, möchte ich gar nicht zählen". Mit dem Ehrenamt allein gehe es aber auch nicht. "Wir brauchen auch Profis", mahnte der Koordinator, "auf Dauer halten die Menschen die Belastung nicht aus." Sorgen bereitet Weiß der Winter. "Uns fehlen noch warme Jacken für Männer und warme Schuhe in den Größen 39 bis 44." Spenden könnten bei der Diakonie und an der Berufsschulturnhalle abgegeben werden.

Arbeit an Konzepten

Die Teilnehmer der Konferenz beschäftigten sich in zwei Gruppen mit der Zukunft von "Demokratie leben". Dabei sammelte die eine Seite Vorschläge für künftige Projekte, die andere beschäftigte sich mit einem theoretischen Überbau für anstehende Aufgaben. Die gesammelten Entwürfe werden nun von den Verantwortlichen gesichtet und aufbereitet.
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